Österreich besonders betroffen

"Weißer Tod" – Warum Lawinen immer gefährlicher werden

Der globale Klimawandel macht die Schneeverhältnisse in den Alpen unberechenbarer - und schafft gefährlichere Bedingungen für Wintersportler.
Bernd Watzka
12.01.2026, 11:43
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Nach den starken Schneefällen am Wochenende herrscht in Teilen Westösterreichs weiterhin höchste Alarmbereitschaft: Die Lawinengefahr ist massiv gestiegen. In Tirol, Vorarlberg, Salzburg und der Steiermark wurden gleich mehrere Wintersportler von Lawinen erfasst - eine Skitourengeherin in Tirol überlebte nicht.

Warnstufe fünf - "große Gefahr"

Allein in Tirol galt am Sonntag Warnstufe vier von fünf - also "große Gefahr". Besonders betroffen: die Arlberg-Region. Die Behörden riefen Wintersportler zur Zurückhaltung auf. Im Bezirk Schwaz wurde eine Frau von einer Lawine verschüttet. Sie starb später im Spital.

In St. Anton am Arlberg wurden zwei Menschen bei Lawinenabgängen verletzt. Auch in Zürs (Vorarlberg) wurden zwei Deutsche von einem Schneebrett rund 70 Meter mitgerissen. Beide konnten geborgen werden.

"Erhebliche" Gefahren in Salzburg

In Salzburg und der Steiermark stufen die Lawinenwarndienste die Gefahr aktuell als "erheblich" ein. Mehrere Tourengeher wurden am Wochenende verletzt - unter anderem bei Hintersee, Tweng und Obertauern. Die Flugrettung musste zu mehreren Einsätzen ausrücken.

Auch in Frankreich forderten die Schneemassen Todesopfer: In den Alpen starben am Wochenende sechs Skifahrer abseits der Pisten. Die Präfektur Savoyen zählte allein Sonntagfrüh sechs Lawinenabgänge.

Extremwetterlage kein Zufall

Die extreme Wetterlage ist kein Zufall: Klimaforscher warnen, dass der Klimawandel die Schneedecke instabiler macht. Weniger, aber intensiverer Schneefall, Regen im Winter und rasche Temperaturwechsel sorgen für brüchige Schichten in der Schneedecke - Lawinengefahr steigt.

Auswirkungen der Erderwärmung auf Lawinen

Der Klimawandel verstärkt die Lawinengefahr auf mehreren Ebenen

  • 1. Häufigere Wetterextreme: Milde Winter, gefolgt von plötzlichen Kälteeinbrüchen oder Starkschneefällen, führen zu instabilen Schneeschichten. Diese Wetterwechsel begünstigen sogenannte "Schwachschichten" in der Schneedecke – der perfekte Auslöser für Lawinen.
  • 2. Mehr Regen im Winter: Durch höhere Temperaturen fällt Niederschlag öfter als Regen statt als Schnee. Das Wasser dringt in die Schneedecke ein, macht sie schwerer und instabiler – ein klassischer Lawinenauslöser.
  • 3. Weniger, aber intensiverer Schneefall: Wenn es schneit, dann oft heftig. Große Neuschneemengen auf eine bestehende, harte oder vereiste Schneedecke erhöhen das Risiko von Schneebrettlawinen.
  • 4. Veränderung der Schneedecke: Durch häufige Tau- und Gefrierphasen entsteht eine brüchige Schneeschicht. Diese instabile Struktur reagiert besonders sensibel auf zusätzliche Belastung – etwa durch Skifahrer.
  • 5. Längere Lawinensaisonen: Mit milderen Temperaturen beginnt die Lawinengefahr oft früher im Jahr und hält länger an – auch weil sich Altschnee und Neuschnee untypisch mischen.

Tückische Schneeverhältnisse im Gelände

Fakt ist: Der "weiße Tod" wird durch die Klimakrise nicht harmloser - sondern tückischer, weil die Schneeverhältnisse unberechenbarer werden. Das bedeutet nicht automatisch mehr Lawinen - aber gefährlichere Bedingungen, gerade für Tourengeher und Wintersportler. Wer ins freie Gelände geht, muss besser denn je vorbereitet sein.

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