Österreich sagt "Nein!"

"Toxischer Deal" – Umweltschützer gegen Mercosur-Pakt

Der Handelspakt zwischen EU und Südamerika werde zu "massiver zusätzlicher Zerstörung von einzigartigen Lebensräumen führen", warnen Umweltschützer.
Bernd Watzka
09.01.2026, 10:58
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"Der Pakt von EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur (Mitglieder siehe unten) wäre eine Hiobsbotschaft für Klima, Umwelt und die österreichische Landwirtschaft. EU-Mercosur würde den Handel mit Pestiziden und Rindfleisch aus Waldzerstörung fördern", so Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. Am Freitag stimmte eine Mehrheit der europäischen Regierungen für den Deal.

Die Lebensmittel-Importe aus Südamerika würden nach der (noch ausstehenden) Zustimmung durch das Europäische Parlament deutlich zunehmen. "Doch weder unsere Umwelt noch unsere Landwirtschaft dürfen am Altar des Freihandels geopfert werden", sagt Theissing-Matei.

Europas Landwirte "zahlen drauf"

Auch Thomas Waitz (EU-Grüne) kritisiert das Abkommen: "Der toxische Deal wird den europäischen Landwirten schaden und das Höfesterben weiter antreiben. Die europäischen Landwirte zahlen für die erweiterten Absatzmärkte der europäischen Auto- und Chemieindustrie drauf", warnt Waitz.

Handelspolitik für Pestizid- und Autokonzerne

"Österreichs Regierung steht dabei mit ihrem Nein ökonomisch und ökologisch auf der richtigen Seite", erklärt Theresa Kofler von der NGO Attac Österreich. "In Zeiten der Klimakrise ist eine Handelspolitik im Interesse europäischer Pestizid- und Autokonzerne sowie der südamerikanischen Fleisch- und Agrarindustrie nicht zukunftsfähig", erklärt Kofler.

Geringe wirtschaftliche Erwartungen

Selbst die Europäische Kommission rechnet mit einem nur äußerst geringen zusätzlichen
Wirtschaftswachstum von 0,05 Prozent bis 2040 durch den EU-Mercosur-Pakt.
Demgegenüber stehe die "massive zusätzliche Zerstörung von einzigartigen Lebensräumen wie dem Amazonas", vorrangig durch die Ausweitung der Rindfleischproduktion.

Schon jetzt gehen 90 Prozent der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes seit 1970 auf die
Rinderzucht zurück, warnt Greenpeace.

Fast ganz Südamerika mirt dabei: Die Staaten des Mercosur-Wirtschaftsverbundes
iStock

Niedrigere Umweltstandards in Südamerika

Gleichzeitig würden Bauern in Österreich in einen ruinösen Preiskampf gezwungen. Denn mit dem EU-Mercosur-Pakt würden, wie Greenpeace errechnete, künftig jährlich große zusätzliche Mengen an Agrarprodukten nach Europa gelangen:

99.000 Tonnen Rindfleisch, 180.000 Tonnen Hühnerfleisch, 190.000 Tonnen Zucker, 650.000 Tonnen aus Zuckerrohr gewonnenes Ethanol, 1.000.000 Tonnen Mais sowie 45.000 Tonnen Honig. Diese Agrarprodukte werden in Südamerika mit deutlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards hergestellt als in der Europäischen Union.

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