Gesundheit

Gegen Gewalt: Hersteller druckt Notrufnummer in Slips

Ein Start-Up für Periodenunterwäsche hat sich einen Clou überlegt, um Opfern häuslicher Gewalt unauffällig zu helfen. Es folgte ein Shitstorm.

Sabine Primes
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Der QR-Code leitet Betroffene zu einer Hilfe-Seite im Internet weiter.
Der QR-Code leitet Betroffene zu einer Hilfe-Seite im Internet weiter.
The Female Company

Die Gewalt gegen Frauen ist weiter im Zunehmen. Erst gestern wurde in Wien Floridsdorf wieder eine tote Frau gefunden. Morde an Frauen sind oft das Ende eines jahrelangen Martyriums mit dem Ehepartner oder Lebensgefährten. Denn es sind Männer, die sich des Mordes schuldig machen. Im Laufe von Jahren werden die Frauen Opfer von körperlicher und psychischer Gewalt, die ihnen die Kraft zur Gegenwehr nimmt. Dagegen hat das Start-Up "The Female Company" eine Werbekampagne ins Leben gerufen, die derzeit im Internet scharf kritisiert wird. Ein regelrechter Shitstorm sei über die Berliner Firma hereingebrochen, berichtet "Gründerszene". Vorgeworfen wird dem Unternehmen, Profit aus dem Thema häusliche Gewalt schlagen zu wollen. 

Periodenunterwäsche ist eine dichte Unterhose, die während der Periode getragen werden kann, ohne zusätzliche Binde oder Tampon verwenden zu müssen. Denn mit mehreren dünnen Schichten saugt die Periodenunterwäsche das Blut innen auf und das Tragegefühl bleibt relativ trocken. Der Slip kann ganz normal in der Waschmaschine gewaschen werden. Es gibt unterschiedliche Modelle für alle Blutungsstärken. Periodenunterwäsche ist viele Jahre verwendbar, nachhaltig und daher umweltfreundlich. Neben der Periodenunterwäsche gibt es auch Periodenbademode. 

QR-Code zur Online-Strafanzeige

The Female Company verkauft Periodenunterwäsche für Frauen. Im Angebot sind nun seit wenigen Tagen zwei Period Panties gegen häusliche Gewalt für je 40 Euro. "My body, my rules" und "yes means yes".  Die Influencerinnen Stefanie Giesinger und Ines Anioli haben für die neuen Slips geworben. Dieser unauffällig eingenähte QR-Code am Etikett führt zu einer Website, die vom Aufbau her einem Onlineshop ähnelt. Dahinter verbirgt sich allerdings eine Seite, die wichtige Informationen für Betroffene von häuslicher Gewalt beinhaltet. Neben Hilferufnummern haben Opfer hier die Möglichkeit, direkt online Strafanzeige zu erstatten.

Elitäre Klientel

Gründerin und CEO Ann-Sophie Claus ist klar, dass sich nicht jede Frau ein Periodenhöschen um 40 Euro leisten kann. Deshalb plant das Start-Up nun, den QR-Code zur Hilfeseite nun auf alle seine Periodenprodukte zu drucken, darunter Tampons und Binden. Allerdings sind auch diese Hygieneprodukte im Onlineshop des Startups deutlich teurer als in der Drogerie. Wie hilfreich ist die Aktion dann? "Wir haben eine sehr große Kundschaft", verteidigt sich Claus im Gespräch mit "Gründerszene". Außerdem könne man die Hilfeseite auch ohne QR-Code abrufen. Hinter der Grundidee der Kampagne stehe Claus aber weiterhin, betont sie. Knapp neun Monate habe man an der Kampagne gearbeitet. Es sei es "unglaublich schade, dass die Idee dahinter gerade untergeht."