Seit der Einführung des Einwegpfands 2025 stapeln sich in vielen Wohnhäusern die leeren Flaschen und Dosen. Viele nervt, die Gebinde zum nächsten Rücknahmeautomaten zu schleppen, um das Pfandgeld zurückzubekommen. Genau hier setzt Michael Auferbauer aus Stockerau (NÖ) mit seiner App PFANDIGO an.
Dabei hatte der Entwickler anfangs selbst noch versucht, dem Pfand aus dem Weg zu gehen. Kurz vor der Einführung im Jänner 2025 deckte er sich mit riesigen Mengen pfandfreier Flaschen ein, die er nicht im Automaten zurückgeben musste. Ein Video seines Großlagers teilte er auf Social Media – sofort ging es viral.
"Das Video hat viele kontroverse Kommentare zum Thema Pfand bekommen. Da wusste ich, wie sehr Pfand polarisiert", sagt der Stockerauer (32) im "Heute"-Gespräch.
Der entscheidende Einfall folgte wenige Monate später beim Heurigen. Freunde erzählten Auferbauer, dass sich bei ihnen bereits zahlreiche Pfandflaschen angesammelt hätten. Das Zurückbringen sei für sie ein zusätzlicher, lästiger Aufwand.
"Da kam mir die Idee, eine App zu gestalten", erinnert er sich. Der Trick: Menschen, die ihren Pfand nicht selbst zurückbringen wollen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht können, sollen ihre Flaschen und Dosen bequem abholen lassen können. Dafür erstellen sie in der App einen Auftrag mit der Anzahl an Gebinden, die zurückgebracht werden sollen.
Andere App-Nutzer, die "Pfandabholer", übernehmen den Auftrag, bringen die Gebinde der "Pfandgeber" zum Automaten und verdienen sich damit etwas dazu. Der Pfandgeber gibt in der App an, wie viele Flaschen oder Dosen bereitstehen. Außerdem entscheidet er selbst, welchen Teil des Pfandbetrags er zurückhaben möchte und wie viel der Abholer behalten darf.
Obwohl Auferbauer hauptberuflich in der Baubranche arbeitet, setzte er sich für die App-Entwicklung monatelang nach Feierabend an den Laptop und entwickelte seine Idee sorgfältig weiter. "Nach einem halben Jahr habe ich mir dann zum ersten Mal gedacht: Das kann etwas werden", so der Stockerauer.
PFANDIGO ist kostenlos, Geld verdient der Betreiber über eine Gebühr, die als kleiner Anteil des vermittelten Pfandbetrags verrechnet wird.
Derzeit ist das Angebot in Stockerau und Korneuburg verfügbar. Der Start sei nicht einfach gewesen, erklärt Auferbauer. Bei einer neuen Vermittlungsplattform müssten schließlich gleichzeitig Menschen gefunden werden, die Pfand abgeben, und solche, die ihn abholen wollen.
Trotzdem hätten sich binnen ein bis zwei Monaten bereits rund 400 Nutzer registriert, wie er selbst sagt. Pfandgeber seien häufig ältere oder kranke Menschen sowie Berufstätige, die keine Zeit für den Weg zum Automaten haben, erzählt er im "Heute"-Gespräch. Unter den Abholern befänden sich wiederum oft Studenten und Teilzeitbeschäftigte, die sich etwas dazuverdienen wollen.
Seit wenigen Tagen können Aufträge auch ohne fixes Abholdatum erstellt werden. Interessierte Pfandabholer vereinbaren den passenden Zeitpunkt anschließend direkt über die Chatfunktion mit den Pfandgebern.
Langfristig will Auferbauer PFANDIGO in ganz Österreich anbieten. Auch eine Umsetzung in anderen Ländern kann er sich vorstellen.