Ein niederländisches Paar ist am Boden zerstört. Nach einem erfolgreichen Hochzeitsfest abseits festgefahrener Traditionen zerstörte ein Gerichtsschreiben das junge Eheglück. Das mit Hilfe von ChatGPT erstellte Ehegelübde war wohl etwas zu modern geraten. Denn laut Gericht fehlten die gesetzlich vorgeschriebenen Versprechen, die mit einer Heirat einhergehen. Den Richtern blieb daher nichts anderes übrig, als die Ehe für ungültig zu erklären.
Dabei hätte das alles gar nicht passieren dürfen, hatte das Paar doch extra einen Standesbeamten miteinbezogen, der während des Vortragens des Ehegelübdes keine Einwände erhob.
Zugetragen hatte sich das Ganze am 19. April in Zwolle in der niederländischen Provinz Overijssel. Das namentlich nicht genannte Liebespaar wollte eine lockere Ehezeremonie abhalten, wählte einen Freund als denjenigen aus, der den beiden das Ehegelübde abnehmen sollte. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, war ein Standesbeamter eingeladen, der die Zeremonie auf ihren korrekten Ablauf überprüft.
Bei den Ehegelübden griff das Brautpaar auf ChatGPT zurück, um lustige Reden zu generieren. Wie die deutsche "Bild" berichtet, seien darin Worte wie "verrücktes Paar" oder das "Versprechen", einander zu "necken", vorgekommen. Was aber offenbar fehlte, war das Versprechen, "einander als Eheleute anzunehmen und die mit dem Ehestand verbundenen gesetzlichen Pflichten gewissenhaft zu erfüllen". Denn so sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor, damit eine Ehe behördlich anerkannt und eingetragen werden kann.
Das bei Gericht eingegangene Gelübde im Wortlaut:
"[Mann], versprichst du, dass du [Frau] heute, morgen und an jedem weiteren Tag beistehen wirst?"
Gemeinsam lachen, gemeinsam wachsen und einander lieben – egal, was das Leben bringt? Was ist Ihre Antwort darauf?
[Frau], wirst du dich heute wieder für [Mann] entscheiden? Sich gegenseitig weiterhin unterstützen, sich gegenseitig necken, zusammenhalten – auch wenn das Leben schwierig wird? Was ist Ihre Antwort darauf?
Hiermit erkläre ich euch zu: Nicht nur Ehemann und Ehefrau, sondern vor allem ein Team, ein verrücktes Paar, die Liebe des anderen und das Zuhause des anderen!
Ihr könnt euch nun gegenseitig als Erste mit einem Kuss gratulieren! Schließen: [Frau] und [Mann] , Glückwunsch! "Sie sind nun offiziell Mann und Frau."
Dem anwesenden Standesbeamten war offenbar nicht aufgefallen, dass diese bei jeder Eheschließung zwingend vorgeschriebene Textpassage fehlte. Den Behörden jedoch sehr wohl. Das zuständige Gemeindeamt erstattete nach Prüfung der Unterlagen Anzeige. Und da die Mühlen der Gerichte langsam mahlen, flatterte erst jetzt, Anfang Jänner 2026, ein Gerichtsschreiben ins Haus des (vermeintlich) verheirateten Liebespaares.
Darin wird in trockener Gerichtssprache zusammengefasst, was sich bei der Hochzeit am 19. April abspielte, welche Dokumente eingereicht und welche Texte vorgetragen wurden. Dann wird festgehalten: "Die Staatsanwaltschaft beantragt, dass das Gericht den Standesbeamten der Gemeinde Zwolle anweist, die Heiratsurkunde mit der Nummer (...) aus dem Jahr 2025 zu annullieren."
„Laut Staatsanwaltschaft wurde die Heiratsurkunde des Paares fälschlicherweise im Standesamt eingetragen. Zur Begründung führt die Staatsanwaltschaft Folgendes an: Das Paar wählte einen Standesbeamten für einen Tag (im Folgenden: der Tagesstandesbeamte). Dieser verwendete während der Zeremonie einen mit ChatGPT erstellten Text. Dieser Text besagt, dass die Parteien die in Artikel 1:67 Absatz 1 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches genannte Erklärung nicht abgegeben haben. Daher kam keine Ehe zwischen dem Paar zustande.“Veröffentlichung des Gerichts Overijssel5. Jänner 2026
Dem Gericht ist laut eigenem Bekunden "bewusst, dass das im Heiratsschein eingetragene Datum für Mann und Frau wichtig ist, aber es kann die gesetzlichen Bestimmungen nicht missachten." Auch wenn die Verantwortung zum Teil auch beim Standesbeamten liege, bleibe dem Gericht nichts anderes übrig, als die Eintragung ins Ehestandsregister abzuerkennen. Das Paar muss nun einen neuen Termin für seine Hochzeit suchen. Der ihnen symbolisch wichtige 19. April ist, zumindest in Zwolle, in diesem Jahr nicht mehr verfügbar.