Ein Leben im Zeichen des Widerstands und der Politik: Herma Nothelfer setzte sich während des Austrofaschismus und der NS-Zeit für politisch Verfolgte ein. Später schrieb sie als erste Bezirksvorsteher-Stellvertreterin auf der Wieden Geschichte. Nun erinnert ein Gemeindebau an die engagierte Wienerin.
Die Wohnhausanlage in der Margaretenstraße 31 im 4. Bezirk trägt ab sofort den Namen "Herma-Nothelfer-Hof". Damit würdigt die Stadt Wien eine Frau, die sich trotz politischer Verfolgung nicht von ihrem Engagement abbringen ließ und nach dem Zweiten Weltkrieg die Bezirkspolitik über Jahrzehnte mitprägte.
Herma Nothelfer wurde am 24. Mai 1911 in Wien geboren. Schon als Jugendliche engagierte sie sich in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend und arbeitete später als Bibliothekarin der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nach den Februarkämpfen 1934 verlor sie ihren Arbeitsplatz, blieb ihren politischen Überzeugungen aber treu.
Im Untergrund unterstützte sie die Sozialistische Arbeiterhilfe, die Spenden für Angehörige politisch Verfolgter sammelte. Auch während der NS-Diktatur war Nothelfer im antifaschistischen Widerstand aktiv.
Nach Kriegsende half sie beim Wiederaufbau der SPÖ auf der Wieden und engagierte sich in der Bezirksvertretung. 1966 wurde sie zur ersten Bezirksvorsteher-Stellvertreterin des 4. Bezirks gewählt. Zwischen 1969 und 1973 war sie sogar die einzige Frau unter sämtlichen Wiener Bezirksvorstehern und deren Stellvertretern. 1973 schied sie aus der Bezirkspolitik aus. Nothelfer starb am 17. Juni 1997 im Alter von 86 Jahren.
"Mit der Hofbenennung erinnern wir an eine Frau, die Mut bewiesen, anderen geholfen und gesellschaftliche Veränderungen mitgestaltet hat", betont Frauen- und Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ).
Der nach Nothelfer benannte Gemeindebau an der Ecke Margaretenstraße und Waaggasse wurde zwischen 1970 und 1972 nach Plänen des Architekten Gustav Hoppe errichtet. Das sechsstöckige Gebäude mit 18 Wohnungen ist auch als "Zum Frauenbilderl" bekannt. Der Name geht auf ein früheres Hauszeichen zurück.
Erst im September wurde die Wohnhausanlage umfassend saniert. Neben einer neuen Dämmung erhielt das Gebäude unter anderem neue Fenster, ein erneuertes Dach und modernisierte Haustechnik. Dadurch konnte die Heizlast um 76 Prozent gesenkt werden. Auch das historische Fassadenmosaik wurde restauriert und wieder angebracht.