Im laufenden Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) wurden vor Gericht umfangreiche SMS-Verläufe verlesen, die zeitlich genau die Nacht betreffen, in der es laut Anklage zu einer Vergewaltigung auf den Lofoten gekommen sein soll. Die Nachrichten zeigen: Während sich Borg Høiby seinem Tinder-Date annäherte – dem späteren mutmaßlichen Opfer – schrieb er parallel liebevolle Nachrichten an seine damalige Partnerin, die sogenannte "Frogner-Frau".
In den vorgetragenen SMS tauschen Marius und die Frau Zärtlichkeiten aus. Unter anderem schrieb er: "Habe dich sehr lieb, mein Schatz." Diese Nachrichten wurden zwischen 2.33 Uhr und 2.56 Uhr verschickt. Gleichzeitig ließ er sie im Glauben, er habe sich "schlafen gelegt". Tatsächlich befand er sich zu diesem Zeitpunkt bei der anderen Frau auf den Lofoten, mit der er später auch intim wurde.
Besonders brisant: Erst einen Tag zuvor hatte Marius über die "Frogner-Frau" vor Gericht gesagt: "Sie ist die einzige Frau auf der ganzen Welt. Das ist sie immer noch." Genau diese Frau brachte mit ihrer Anzeige am 4. August 2024 die Ermittlungen gegen ihn ins Rollen.
Gegen Marius besteht aktuell ein Kontaktverbot zu ihr, das er laut Aktenlage bereits mehrfach verletzt haben soll. Die "Frogner-Frau" selbst sitzt während der Verhandlung im Gerichtssaal und hört die Verlesung der Nachrichten mit an.
Zusätzlich versuchten die Ermittler, mithilfe von Handydaten und einer Pulsuhr zeitliche Abläufe zu rekonstruieren. Während der Vernehmung des Polizeibeamten Stig Berg Larsen wurde erläutert, dass der Herzfrequenzmonitor des mutmaßlichen Lofoten-Opfers zunächst ruhige Werte zeigte, dann jedoch anstieg. Ein Muster, das als Übergang vom Schlaf- in den Wachzustand interpretiert wird. Das Video, das Marius laut Anklage ohne Wissen und Zustimmung der Frau aufgenommen haben soll, entstand demnach um 4.57 Uhr.
Parallel dazu zeigen die SMS eine weitere Dynamik: Gegen 4.05 Uhr versuchte Borg Høiby, seine damalige Freundin erneut zu kontaktieren. Auslöser soll eine Snapchat-Nachricht gewesen sein, wonach die "Frogner-Frau" mit einem anderen Mann unterwegs sei. Darauf reagierte Marius eifersüchtig. In einer Nachricht schrieb er: "Ich bin so höllisch eifersüchtig", und warnte den anderen Mann, er solle sich von ihr "fernhalten".
Die vor Gericht vorgelesenen Nachrichten sind für die Anklage von zentraler Bedeutung. Sie sollen belegen, dass Marius Borg Høiby in jener Nacht nicht nur zwei Frauen parallel emotional an sich band, sondern auch gezielt falsche Eindrücke über seine Situation vermittelte, während sich die Ereignisse auf den Lofoten zuspitzten.