Ein kleines Knötchen am Augenlid kennt wohl fast jeder. Meist handelt es sich um ein harmloses Gerstenkorn, das nach wenigen Tagen wieder verschwindet. Manche Schwellungen bleiben jedoch hartnäckig oder treten immer wieder auf. Dann kann auch etwas Ernsteres dahinterstecken.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) warnt deshalb: Dauerhafte Schwellungen, ausfallende Wimpern oder nicht abheilende Stellen am Lid sollten rasch ärztlich abgeklärt werden. Fünf bis zehn Prozent aller Hautkrebserkrankungen entstehen laut Fachliteratur ausgerechnet am dünnen Augenlid.
Wie chip.de unter Berufung auf die DOG berichtet, unterscheiden Mediziner vor allem zwischen zwei Arten von Knötchen: Gerstenkorn und Hagelkorn. Das Gerstenkorn entsteht durch Bakterien, eitert oft und schmerzt. Ein Hagelkorn bildet sich hingegen durch einen Sekretstau und entwickelt sich langsam. Es ist meist weniger schmerzhaft, kann aber wochenlang bestehen bleiben.
Besonders kritisch sind laut Experten diese Symptome: Schwellungen, die nicht abheilen oder immer wiederkommen, ausfallende Wimpern, sichtbare Veränderungen der Lidstruktur sowie Verhärtungen ohne Schmerzen. In solchen Fällen sollte man nicht lange warten und umgehend einen Termin beim Augenarzt vereinbaren.
Eine größere Studie zu Veränderungen am Augenlid zeigt: Von 544 untersuchten Befunden waren rund 79 Prozent gutartig, aber jede fünfte Veränderung erwies sich als bösartig. Am häufigsten wurde bei den bösartigen Fällen ein sogenanntes Basalzellkarzinom diagnostiziert.
Besonders tückisch ist das sogenannte Merkelzellkarzinom. Dieser seltene, aber aggressive Tumor macht nur etwa 0,5 Prozent aller Lidtumoren aus - sieht aber einem harmlosen Gerstenkorn verblüffend ähnlich. Auch Talgdrüsenkarzinome können Entzündungen täuschend echt imitieren.
Wer häufiger Probleme mit den Augenlidern hat, sollte zudem auf Risikofaktoren achten: Hauterkrankungen wie Rosazea oder Neurodermitis, Diabetes und ein geschwächtes Immunsystem erhöhen die Anfälligkeit. Auch Frauen in hormonellen Umbruchphasen sind häufiger betroffen.
Zur Vorbeugung und Behandlung empfehlen Augenärzte warme Kompressen, Wärmemasken oder ein Kirschkernkissen. Auch ein altes Hausmittel wird empfohlen: Kompressen mit schwarzem Tee. Wichtig ist zudem eine regelmäßige Lidkantenpflege, die sich etwa unter der warmen Dusche gut in den Alltag einbauen lässt.
Bleibt ein Hagelkorn hartnäckig bestehen, können Augenärzte es mit einem kleinen Eingriff unter örtlicher Betäubung entfernen. Experten warnen aber davor, scheinbar harmlose Entzündungen monatelang selbst zu behandeln - im Zweifel ist ein Arztbesuch immer die bessere Wahl.