Marina (Anm. Name von der Redaktion geändert) hat schon als Kleinkind Gewalt erlebt. "Ich war zwei Jahre alt, da hab ich das erste Mal Gewalt mitbekommen. Mein Vater hat meine Mutter geschlagen", erzählt die 35-Jährige gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Ihre Mutter ging nach Österreich, um sich zu prostituieren, Marina blieb mit zwei jüngeren Geschwistern beim gewalttätigen Vater zurück. Mit 17 landete sie auf der Straße – und schließlich in Österreich.
Hier lernte sie ihren späteren Partner kennen. "Er hat gesagt, wenn ich bei ihm putze und koche, kann ich mitkommen. Welche Wahl hatte ich?", sagt die 35-Jährige zur Tageszeitung. Doch auch diese Beziehung wurde zur Hölle.
Marina wurde schwanger, ihr Sohn ist heute drei Jahre alt. An seinem ersten Geburtstag flüchtete sie ins Frauenhaus – barfuß, in Hose, T-Shirt und mit ihrem Kind auf dem Arm. "Er hat mich gewürgt. Ich bin rausgelaufen und hab zur Nachbarin gesagt: Ruf die Polizei, sonst bringt er mich um", sagt sie zur "Kleinen Zeitung".
Zuvor hatte er sie immer wieder geschlagen und sogar zu Hause eingesperrt. "Ich durfte nicht einkaufen, nicht raus. Er war eifersüchtig auf seinen eigenen Sohn", sagt die 35-Jährige. Nach dem Frauenhaus kam sie in eine Krisenwohnung. Doch die Angst blieb – besonders, als sie bei der Gerichtsverhandlung ihrem Ex-Partner doch begegnete.
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"Du bekommst ein Alarmgerät, aber wenn du angegriffen wirst, schaffst du es oft gar nicht mehr, den Alarm auszulösen", kritisiert Marina in der "Kleinen Zeitung". Auch dass die Bezirkshauptmannschaft (BH) einen Brief zwecks Unterhaltszahlung an ihren Ex schickte, machte ihr Angst: "Ich hab mich eine Woche nicht aus dem Haus getraut, weil ich mir gedacht hab, jetzt weiß er, in welchem Bezirk ich wohne."
Mittlerweile hat Marina eine eigene Wohnung – unterstützt von "Steirer helfen Steirern". Sie sucht Arbeit, möchte als Kinderbetreuerin tätig sein und hofft auf finanzielle Hilfe für die Ausbildung. Ihr Sohn besucht den Kindergarten, der Alltag pendelt sich langsam ein. Die 35-Jährige will Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen.
"80 Prozent der Frauen im Frauenhaus gehen zurück zu ihren Partnern, aus Angst, wegen der Kinder oder wegen finanziellen Problemen", erzählt Marina gegenüber der Tageszeitung. Ihre größte Stütze war und ist ihr Sohn: "Er ist die einzige Person, die mich richtig liebt, das gibt so viel Kraft."