"Erster Fall in Österreich"

Gesunder 22-Jähriger trinkt Kratom-Tee und stirbt

Ein 22-Jähriger erlitt nach dem Konsum von Kratom-Tee einen Herzstillstand. Innsbrucker Ärzte berichten vom ersten derartigen Fall in Österreich.
André Wilding
28.09.2026, 08:00
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Ein 22-jähriger Mann bricht plötzlich in seiner Wohnung zusammen, sein Herz bleibt stehen. Erst nach aufwendiger medizinischer Behandlung erholt er sich wieder. Innsbrucker Intensivmediziner bringen den lebensbedrohlichen Zwischenfall mit dem Konsum von Kratom-Tee in Verbindung.

Die Ärzte berichten vom ersten bekannten Fall eines Herzstillstands in Österreich im Zusammenhang mit einer isolierten Kratomvergiftung.

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Ärzte finden hohe Werte im Blut

"Wir berichten über den ersten Fall eines Herzstillstands in Österreich im Zusammenhang mit einer isolierten Kratomvergiftung bei einem jungen Mann. Die toxikologische Blutanalyse bestätigte den Verdacht und zeigte deutlich erhöhte Mitragynin-Konzentrationen. Obwohl Kratom als risikoarme Substanz gilt, kann es schwere und potenziell tödliche Nebenwirkungen hervorrufen", schrieben Jonas Dunz von der Innsbrucker Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin und seine Co-Autoren in der "Wiener klinischen Wochenschrift" (doi: 10.1007/s00508-026-02826-5).

Kratom-Tee wird häufig aus einem Pulver der Blätter des südostasiatischen Kratom-Baums zubereitet. Er ist in einschlägigen Kräuterläden oder Automaten erhältlich.

Bereits Anfang Juli 2025 warnte das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: "Das Bundesinstitut (...) warnt Patientinnen und Patienten vor der Anwendung von Kratom zu medizinischen Zwecken. (...) Die Sicherheit und die Wirksamkeit von Kratom sind bisher nicht ausreichend geprüft. Kratom wird im Internet als pflanzliches Mittel gegen Schmerzen, Entzündungen, Husten, Angst, Depressionen und weitere Krankheiten beworben."

Auch die deutsche Verbraucherzentrale warnte im Dezember vergangenen Jahres: "Keine legale Nahrungsergänzung: Kratom-Pulver kann abhängig machen und gefährliche Nebenwirkungen haben."

Mitbewohner beginnt sofort mit Reanimation

Im Innsbrucker Fall kam es für den 22-Jährigen zu einem dramatischen medizinischen Notfall. "Ein 22-jähriger Mann brach plötzlich in seiner Wohnung zusammen. Sein Mitbewohner fand ihn bewusstlos, krampfend und ohne Puls vor und leitete sofort die Basismaßnahmen der Reanimation ein."

Der Notarzt stellte einen Herzstillstand fest. Nach vier Minuten Herzmassage und einer Adrenalininjektion konnten Herz und Kreislauf wieder in Gang gebracht werden. Doch anschließend erlitt der Mann einen weiteren Herzstillstand.

Mit intensivierten Wiederbelebungsmaßnahmen gelang es erneut, die Herz-Kreislauf-Funktion herzustellen. Intubiert und unter maschineller Herzmassage wurde der Patient in die Innsbrucker Universitätsklinik gebracht.

Untersuchungen liefern zunächst keine Ursache

Die Ärzte suchten zunächst intensiv nach dem Auslöser. Hinweise auf eine schwere Grunderkrankung fanden sie nicht. Der 22-Jährige war grundsätzlich gesund.

Auch die ersten toxikologischen Blutuntersuchungen ergaben keine Hinweise auf Alkohol, Beruhigungs- oder Schlafmittel sowie Antidepressiva. Im Urin wurden keine Amphetamine, kein Kokain und keine Opiate nachgewiesen - mit Ausnahme von Fentanyl, das als Schmerzmedikament eingesetzt worden war.

Der Patient berichtete schließlich vom Konsum von Kratom-Tee. Daraufhin folgten gezielte Untersuchungen.

"Gezielte Tests nach dem berichteten Konsum von Kratom-Tee zeigten erhöhte Mitragynin-Werte von 500 Mikrogramm pro Liter Blutplasma", schrieben die Fachleute.

Mitragynin zählt zu den wirksamen Hauptinhaltsstoffen von Kratom. Laut den Autoren wurden bei einer weltweiten Analyse von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom im Mittel 398 Mikrogramm pro Liter Blutplasma festgestellt.

22-Jähriger bekommt Herzschrittmacher

Der Zustand des jungen Mannes blieb ernst. Immer wieder sank sein Puls auf nur 25 bis 30 Herzschläge pro Minute. Schließlich wurde ihm ein Herzschrittmacher implantiert.

Vorübergehend traten zudem leichte neurologische Probleme auf. Nach zwei Wochen konnte der 22-Jährige schließlich ohne weitere Folgeschäden aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Vergiftungsfälle stark gestiegen

Die Innsbrucker Experten warnen angesichts der Entwicklung in den USA: "Kratom erfreut sich zunehmender Beliebtheit, insbesondere in den USA, wo schätzungsweise zwei Millionen Erwachsene jährlich Kratom konsumieren. Aktuelle Daten des US-amerikanischen 'National Poison Data System' untermauern diesen Trend: Die Zahl der Kratom-bedingten Vergiftungsfälle hat sich zwischen 2015 und 2025 verzwölffacht und erreichte 2025 mit 3.434 Fällen einen Höchststand. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 233 Todesfälle gemeldet."

Auch in Europa sei Kratom aufgrund der einfachen Verfügbarkeit im Internet und der Vermarktung als "natürliches Nahrungsergänzungsmittel" zunehmend zu finden. In niedrigen Dosierungen wirken die Inhaltsstoffe laut den Experten eher anregend, in höheren Dosierungen ähnlich wie Opiate in hoher Dosierung.

wil,28.09.2026, 08:00