"Goldhaube"

Seilbahn am Dachstein fährt zu einem geheimen Ort

Am Dachstein betreibt das Bundesheer eine kaum bekannte Seilbahn. Sie führt über den Gletscher zu einer militärischen Funkstation. Die Hintergründe.
André Wilding
27.09.2026, 10:00
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Zwischen den bekannten Attraktionen rund um den Hunerkogel verbirgt sich eine Anlage, die für Touristen nicht gedacht ist. In rund 100 Metern Höhe führt eine Seilbahn des Bundesheeres über den Schladminger Gletscher zu einem militärischen Ziel – darüber berichtet die "Kleine Zeitung".

Von einer unscheinbaren Talstation führt das Doppelseil rund 1,1 Kilometer bis zum Großen Koppenkarstein. Dort betreibt das Bundesheer eine Netzfunkstelle als Teil des militärischen Luftraumüberwachungssystems "Goldhaube".

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Zutritt bleibt Militär vorbehalten

Was genau am Koppenkarstein untergebracht ist, unterliegt der Geheimhaltung. Militärfremde Personen dürfen die Einrichtung nicht betreten.

Oberstleutnant Christoph Huber gibt gegenüber der "Kleinen Zeitung" dennoch einen Einblick in die Aufgabe der Anlage: "Es handelt sich um eine Station, die die Funkverbindung zwischen unseren Luftfahrzeugen und dem Boden sicherstellt, für einen Teil der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg."

Solche Stationen gibt es an mehreren Orten in Österreich. Der Standort am Koppenkarstein wurde bereits in den 1970er-Jahren "aufgrund der Topografie" ausgewählt. Die Lage auf rund 2.800 Metern ermöglicht eine große Reichweite, macht die Station gleichzeitig aber schwer erreichbar.

"Eine Straße ist denkunmöglich", erklärt Roland Melchart, der beim Bundesheer als Bauingenieur für die Errichtung militärischer Objekte verantwortlich war, im Gespräch mit der Tageszeitung.

Früher ging es mit Schrägaufzug hinauf

Über Jahrzehnte wurde deshalb ein Schrägaufzug mit Raupenbetrieb eingesetzt. Die Fahrt konnte allerdings ihre Tücken haben.

Melchart beschreibt das frühere Transportmittel in der "Kleinen Zeitung" als "sehr abenteuerliche" Angelegenheit. "Wenn das Drahtseil im Winter vereist war, ist man zurückgerutscht statt nach vorne gefahren."

2015 erhielt der Schrägaufzug keine Betriebsgenehmigung mehr. Daraufhin fiel die Entscheidung für eine "handelsübliche" Seilbahn. Sie ist eine von zwei Seilbahnen, die das Bundesheer betreibt.

Platz für acht Personen

Anders als in einem Skigebiet fährt auf der Strecke lediglich eine Kabine. Darin finden acht Personen Platz, zusätzlich können bis zu 800 Kilogramm Material transportiert werden.

Das Projekt startete im Juli 2023. Seit Februar ist der Betrieb offiziell genehmigt. Die Netzfunkstation selbst ist nicht ständig besetzt. Mehrmals pro Monat fahren Bundesheerbedienstete für "Wartung und Instandhaltung" hinauf, heißt es in dem Bericht.

Eis wird zur Herausforderung

Auf dieser Höhe spielt auch das Wetter eine entscheidende Rolle. Im Winter können Windspitzen von bis zu 120 km/h auftreten, dazu kommen meterhoher Schnee und zweistellige Minusgrade.

Sieben sogenannte "Seilreiter" stabilisieren deshalb das Doppelseil und sollen verhindern, dass es sich durch den Wind überschlägt.

Eine weitere Besonderheit sind regelmäßige "Eisbrecherfahrten". Auf dem Seil kann sich Eis bilden, das beim Betrieb herunterfallen könnte. Weil sich darunter Wanderwege und eine Langlaufloipe befinden, wird die leere Kabine außerhalb der Besucherzeiten über den Gletscher geschickt, berichtet die "Kleine Zeitung".

Das funktioniert sogar ferngesteuert von der Kaserne aus. Dass die versteckte Bahn trotzdem auffällt, zeigen Fragen von Touristen. "Wir sind auch schon gefragt worden, ob wir sie ins Tal hinunterfahren können", erzählt ein Bundesheerbediensteter der Tageszeitung.

wil,27.09.2026, 10:00