Das Gesundheitszentrum T.I.W. in Wien-Hernals steht vor dem Aus. Es ist derzeit die einzige kostenlose Anlaufstelle für Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren, die sich auf die Diagnostik psychologischer und medizinischer Probleme sozial benachteiligter junger Menschen spezialisiert hat. Mit Ende des Jahres 2025 läuft die Finanzierung aus, wir berichteten. Findet sich bis dahin kein neuer Finanzier, muss das Zentrum schließen.
Das T.I.W.-Zentrum arbeitet eng mit Einrichtungen wie Jugend am Werk zusammen. "Den Betreuerinnen und Betreuern dort fallen oft Schwächen bei den Jugendlichen auf", sagt Geschäftsführer Andreas Pollak. Besonders spezialisiert ist das Zentrum auf junge Menschen in der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf. "Die Eltern können ihnen da häufig keine Unterstützung bieten. Sie wissen oft auch nicht, was bei ihren Kindern nicht stimmen könnte", erklärt Pollak. Für eine Diagnose werden die Jugendlichen dann an sein Team überwiesen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums sind Gesundheitspräventions-Seminare. Dort werden Fragen behandelt wie: "Wann muss ich ins Krankenhaus?" oder "Wo gehe ich hin, wenn mir etwas wehtut?". Jutta Rentmeister, klinische Psychologin im Zentrum, weiß: "Ohne uns würden viele Probleme einfach unter den Tisch fallen." Undiagnostizierte oder falsch behandelte psychologische oder medizinische Probleme führen dazu, dass junge Menschen an ihren Fähigkeiten zweifeln – und sie beeinträchtigen ihr Selbstbewusstsein.
Rentmeister erzählt: "Wir sind oft die ersten Vertrauenspersonen, denen Jugendliche von ihren Problemen erzählen." Dass Betroffene Unterstützung brauchen, zeigt sich anfangs häufig durch Verhaltensmuster wie viele Fehltage in der Schule oder anhaltende Konzentrationsprobleme. "In einem Erstgespräch im Zweier-Setting schauen wir dann, was da eigentlich los ist", so die Psychologin.Nach der Beratung im T.I.W.-Zentrum geht es darum, die Jugendlichen wieder in den Arbeits- oder Ausbildungsprozess einzugliedern.
Im vergangenen Jahr wurden rund 600 Jugendliche psychologisch betreut, etwa 5.000 Jugendliche nahmen an Seminaren des T.I.W.-Zentrums teil. "Es gibt einen enormen Bedarf", betont Rentmeister. Drei Pädagoginnen und zwei Psychologinnen arbeiten mit den Jugendlichen über mehrere Sitzungen hinweg und versuchen, ihnen so verständlich wie möglich zu erklären, wie sie in ihrer individuellen Situation vorgehen sollten.
Bisher wurde das Projekt durch die Z Zurich Foundation finanziert. Aufgrund auseinandergehender Vorstellungen endet diese Unterstützung jedoch mit Ende 2025. "Wenn wir keine neue Finanzierung finden, müssen wir quasi mit 1.1.2026 schließen", sagt Pollak. Um das Gesundheitszentrum noch ein weiteres Jahr fortführen zu können, werden rund 500.000 Euro benötigt. "Die Finanzierung durch die Zurich Foundation ist nur noch bis Ende 2025 gesichert. Trotz zahlreicher Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft konnte bis heute keine Anschlussfinanzierung erreicht werden", bedauert Pollak.
Durch eine Petition möchte das Team zumindest auf die Situation aufmerksam machen. 1.437 Menschen haben bisher unterschrieben (Stand: Oktober 2025). Spenden wolle man jedoch nicht sammeln. "Wir wollen uns nicht von Jahr zu Jahr retten. Wir möchten lieber eine längerfristige Finanzierung", sagt Pollak.