Schlagerstar Patrick Lindner blickt im Podcast "Die Guaberin" von Monika Gruber auf sein öffentliches Coming-out Ende der 90er zurück. Eine große Schlagzeile der deutschen "Bild" habe ihn damals völlig unvorbereitet getroffen. Wie er nun erzählt, sei das Interview, in dem angeblich sein Satz "Ich bin schwul" gefallen sein soll, mit ihm überhaupt nicht geführt worden.
Er habe die Aussage weder freigegeben noch offiziell an die Zeitung übermittelt. Bis heute weiß Lindner nicht, wer hinter der Veröffentlichung steckte oder warum er öffentlich geoutet wurde. Damals hatte er zwar einen männlichen Partner, seine Sexualität betrachtete er aber als Privatsache. Als mögliche Spur nennt er ein damaliges Interview mit "Amica", bei dem Sandra Maischberger als Redakteurin tätig war. Er hält es für möglich, dass die Geschichte über sie zur "Bild" gelangt sein könnte.
Besonders hart traf ihn die Veröffentlichung beruflich. "Das war natürlich wie ein Schlag ins Gesicht, muss ich sagen. Das war echt brutal", erinnert er sich. Seine Homosexualität sei zuvor bereits mehrfach versucht worden, in die Öffentlichkeit zu bringen. Nun stand sie plötzlich auf der Titelseite – und "Bild"-Kästen waren überall in Deutschland zu sehen.
Dass er ausgerechnet am Tag der Veröffentlichung mit seinem damaligen Freund Michael nach Amerika flog, empfand er im Nachhinein als Glück: Eine Woche bekam er vom Trubel weniger mit. "Das war für mich auch nochmal so ein Glück. Als wir zurückgekommen sind, ist es ein bisschen schon abgeklungen. Aber trotzdem ... es war eine Zeit ... Ende der 90er, das war eine andere Zeit wie heute."
Besonders beruflich habe die unfreiwillige Offenlegung Folgen gehabt: "Ich kam aus einer sehr konservativen Ecke [...] da gab es schon Einbrüche, deutliche Einbrüche." Zwar wussten enge Freunde und viele Menschen in der Branche längst Bescheid, öffentlich machen wollte Lindner es zu diesem Zeitpunkt und auf diese Weise dennoch nicht. Kollegen, Vertragspartner und seine Plattenfirma hätten damals außerdem immer ausdrücklich abgeraten: "Da hat es geheißen, hey, auf gar keinen Fall wird das gesagt. So ging es halt damals noch vielen."
Monika Gruber erinnert daran, dass Lindner früher als "Traum aller Schwiegermütter" und Frauenschwarm vermarktet wurde. Weibliche Fans seien sogar im Hochzeitskleid zu seinen Schiffsauftritten gekommen. Die Komikerin vermutet, dass ein ähnlicher Druck bis heute existiert – etwa in Hollywood, wo manche Männer weiterhin als Frauenhelden verkauft würden: "Kinotickets kaufen überwiegend Frauen." Lindner bestätigt das und deutet an, dass auch in der deutschen Szene mitunter Fake-Beziehungen für die PR eine Rolle spielen.
"Mit der Zeit habe ich das natürlich umso sehr genossen, frei damit umzugehen. Aber dadurch, dass das damals eine andere Zeit war, musstest du damit umgehen lernen", sagt er weiter. Eine gewisse innere Bremse sei geblieben. Hand in Hand mit seinem Partner in der Öffentlichkeit zu gehen, traut er sich bis heute nicht – obwohl er geoutet ist: "Es ist eigenartig, aber das ist so drin in dir. Man will nicht irgendwie provozieren."
Zwar erlebe er junge Menschen heute deutlich freier und offener, gleichzeitig nehme er wieder mehr Gewalt wahr. Gruber stimmt ihm zu und spricht deshalb von einer möglichen "Neu-Prüderie". Sie kritisiert dabei auch, dass selbst vermeintlich besonders liberale Menschen wieder Grenzen ziehen: "Was ich eigentlich schon so für mich als abgelegt betrachtet habe."