Schlagerstar Patrick Lindner erzählt Monika Gruber von seinem Zwangsouting Ende der 90er. In ihrem Podcast "Die Guaberin" berichtet er, wie die "Bild" damals mit "Ich bin schwul" titelte, obwohl er die Aussage nicht freigegeben hatte und ein entsprechendes Interview mit ihm gar nicht stattgefunden habe.
Bis heute weiß Lindner nicht, wer hinter der plötzlichen Veröffentlichung steckte. Seine Homosexualität war in seinem Umfeld und der Branche zwar bekannt, öffentlich machen wollte er sie aber nicht – wenn, dann selbstbestimmt. "Das war natürlich wie ein Schlag ins Gesicht, muss ich sagen. Das war echt brutal", erinnert er sich. Beruflich habe die unfreiwillige Offenlegung ebenfalls deutliche Einbrüche gebracht.
Für Gruber steht Lindners Geschichte auch für ein Problem, das ihrer Ansicht nach noch immer nicht verschwunden ist. "Ich finde, wenn man sich outen möchte, dann möchte man das selber entscheiden, wie man das machen möchte", sagt sie.
Besonders im Sport würden sich viele noch immer nicht trauen, offen mit ihrer Sexualität umzugehen. Auch in Hollywood würden Männer teils weiterhin als Frauenhelden verkauft, vermutet Gruber – und deutet an, dass es solche PR-Strategien auch in der deutschen Szene geben könnte.
Lindner erklärt, dass er trotz seiner heutigen Offenheit bis heute eine Hemmschwelle verspürt, mit seinem Partner Peter, der auch sein Manager ist, Hand in Hand auf der Straße zu gehen. "Du denkst dann, du willst das irgendwie nicht provozieren", sagt er. Gruber findet das "schade" und sieht darin ein gesellschaftliches Problem.
Zwar würden "junge Leute heute ganz anders damit umgehen", gleichzeitig nehme Lindner wieder mehr Anfeindungen und Gewalt wahr. Gruber zieht daraus ein ernüchterndes Fazit: "Ich habe das Gefühl, wir gehen schon wieder so einer Neu-Prüderie entgegen, was ich eigentlich schon so für mich als abgelegt betrachtet habe."
Sie kritisiert dabei auch, dass selbst vermeintlich besonders liberale Menschen wieder Grenzen ziehen. Lindner setzt sich deshalb auch mit seiner Stiftung für LGBTQ-Personen dafür ein, dass junge Menschen selbstbewusst und frei leben können.