Wo einst Studierende die Hörsäle der alten Wirtschaftsuniversität füllten, laufen heute aufwendige Sanierungsarbeiten. Am Althangrund entsteht in den kommenden Jahren Österreichs größter Bildungscampus. Bevor die Bagger anrollen können, muss jedoch ein unsichtbarer und gefährlicher Altlasten-Bewohner beseitigt werden: Asbest.
Betroffen sind Teile der ehemaligen WU sowie des früheren Biologiezentrums der Universität Wien. Derzeit läuft dort eine der umfangreichsten Asbestsanierungen Österreichs, wie "Die Presse" berichtete. Bereits ein erster Hörsaal wurde erfolgreich von den schadstoffhaltigen Materialien befreit.
Damit bei der Entfernung keine gefährlichen Fasern in die Umgebung gelangen, gelten auf der Baustelle strikte Sicherheitsmaßnahmen. Die betroffenen Räume werden vollständig abgeschottet und während der Arbeiten unter Unterdruck gesetzt.
Projektleiter Stefan Ehrenberger von der Bundesimmobiliengesellschaft erklärt gegenüber ORF Wien den Ablauf: "Jetzt stehe ich zum Beispiel gerade in der Tür, die luftdicht verschlossen wurde, im Hörsaal hat permanent Unterdruck vorgeherrscht. Man hat das mit Luftabsaugung gemacht, die auch gefiltert wurden." Zusätzlich wurden spezielle Schleusen eingerichtet. "Durch die mussten die Mitarbeiter durch, bevor sie dann wirklich auch gesäubert wieder in den Raum bringen konnten."
Für die heiklen Arbeiten kommen eigens geschulte Fachkräfte zum Einsatz. Ausgerüstet mit Schutzanzügen und Atemmasken entfernen sie die belasteten Bauteile und verpacken diese anschließend luftdicht. Erst nach umfangreichen Luftmessungen werden die sanierten Bereiche wieder freigegeben.
Schon vor Beginn der Arbeiten wurde das Areal intensiv untersucht. Fast 80 Proben aus verschiedenen Gebäudeteilen wurden analysiert – mit einem eindeutigen Ergebnis: Asbest steckt an zahlreichen Stellen der alten Bausubstanz.
In den 1970er-Jahren galt Asbest als modernes Baumaterial. Wegen seiner Feuer- und Hitzebeständigkeit wurde er in zahlreichen Gebäuden verarbeitet. Heute ist bekannt, dass freigesetzte Fasern schwere Erkrankungen bis hin zu Lungenkrebs verursachen können.
Experten betonen jedoch, dass für ehemalige Studierende, Lehrende und Beschäftigte der alten WU keine Gefahr bestanden habe. Solange Asbest unbeschädigt in Bauteilen eingebunden ist, gilt das Risiko als äußerst gering.
Noch bis Mitte kommenden Jahres werden mehr als 100 Spezialisten am Althangrund mit der Schadstoffentfernung beschäftigt sein. Erst danach kann das Großprojekt in die nächste Phase gehen. Der eigentliche Baustart für den neuen Bildungscampus ist für 2028 geplant.