Der Grand Canyon zählt zu den berühmtesten Schluchten der Welt. Knapp 450 Kilometer lang und bis zu 1,6 Kilometer tief erstreckt sich die gewaltige Kerbe durch Arizona. Doch wie genau der Colorado River seinen Weg in diese Schlucht fand, war für Forscher seit rund 150 Jahren ein Rätsel.
Das Problem: Der Fluss musste eine geologische Barriere überwinden - das sogenannte Kaibab-Hochplateau. Wie ihm das vor etwa sechs Millionen Jahren gelang, war bis jetzt unklar.
Wie scinexx.de unter Berufung auf eine neue Studie in "Science" berichtet, haben Geologen um John He von der UCLA nun die Lösung gefunden. Die Forscher analysierten tausende Zirkonkristalle aus Ablagerungen eines längst verschwundenen Sees.
Der Bidahochi-See lag einst südöstlich des Grand Canyon. Als der Colorado River vor etwa 6,6 Millionen Jahren in diesen See mündete, stieg dessen Wasserspiegel drastisch an - um fast 500 Meter. Das reichte, um die Kaibab-Barriere zu überfluten.
"Zirkone sind wie kleine Zeitkapseln", erklärt Studienautor He. Die Analyse der Kristalle zeigte: Viele Sedimente im Paläo-See stammten aus dem Oberlauf des Colorado River.
"In mancher Hinsicht markiert dieses Ereignis die Geburt des Colorado River, wie wir ihn heute kennen", sagt He. Nachdem der Fluss die Barriere überwunden hatte, kerbte er die Schlucht immer tiefer ein und schuf so den Grand Canyon in seiner heutigen Form.
Für den Bidahochi-See bedeutete das Ereignis hingegen den Anfang vom Ende: Der Colorado floss nun seitlich am See vorbei, dieser verlor seine Wasserquelle und verlandete schließlich.