Felix Neureuther hat den schwersten Moment dieser Winterspiele noch immer präsent. Der Sturz von Lindsey Vonn in Cortina war nicht nur sportlich ein Schock, sondern auch ein Moment, der für Diskussionen über den Umgang mit Bildern im Fernsehen sorgt.
Schon direkt nach dem Unfall war zu spüren, wie nahe ihm die Szene ging. Als Co-Kommentator rang der ehemalige Slalom-Star hörbar mit den Emotionen. "Um Gottes Willen. Ach, Scheiße. Entschuldigung, dass ich das sage", entfuhr es ihm live. Während die Regie die Szene mehrfach zeigte und Vonns Schreie zu hören waren, zog Neureuther eine klare Grenze: "Macht doch den Ton aus." Auch sein Kollege Bernd Schmelzer sprach von "unerträglich".
Diese spontane Reaktion ordnet Neureuther nun im Rückblick noch deutlicher ein. Solche Situationen seien "äußerst schmerzhaft", sagt er, und betont, dass Kameras und Mikrofone "ab einem gewissen Zeitpunkt nichts mehr verloren haben". Gerade weil er Vonn persönlich kennt, habe ihn der Moment besonders getroffen. "Wenn du siehst, wie sich jemand schwer verletzt, dann leidest du sehr mit."
Kritisch sieht er vor allem die Art der Inszenierung. Die Weltregie habe "voll draufgehalten", das sei für ihn "unpassend und ihrer Familie gegenüber respektlos" gewesen. Die Grenze zwischen notwendiger Berichterstattung und Voyeurismus sei überschritten worden.
Dabei stellt Neureuther klar, dass Dramen zum Sport dazugehören. Das Risiko, das Athleten eingehen, mache einen Teil der Faszination aus. Genau diese Realität wolle man auch transportieren. Aber eben mit Feingefühl. "Emotionen erzeugst du durch Nähe", sagt er grundsätzlich über TV-Übertragungen – doch diese Nähe habe auch Grenzen.
Der Sturz von Vonn zeigt für ihn genau dieses Spannungsfeld: Einerseits der Wunsch, Zuschauer möglichst nah ans Geschehen zu bringen, andererseits die Verantwortung, in extremen Momenten zurückzuschalten. Für Neureuther ist klar, wo die Linie verläuft und, dass sie in Cortina überschritten wurde.