"Die Nachricht vom Ableben unserer geschätzten Stadträtin hat uns schwer getroffen. Wir verlieren nicht nur eine enorm engagierte Mandatarin, sondern auch eine Freundin. Heute ist ein besonders schwarzer Tag, auch das Rathaus trägt Trauerflor", hält Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) fest, der erst am 11. September das umfangreiche Wirken von Renate Gamsjäger mit dem Ehrenzeichen der Stadt würdigen durfte.
Im Kreise von Wegbegleitern, Familie und Freunden hielt das Stadtoberhaupt fest: "Es gibt Menschen, die sich engagieren. Es gibt Menschen, die Verantwortung übernehmen. Und dann gibt es Menschen, die über Jahrzehnte hinweg nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern Dinge tatsächlich verändern. Zu diesen Menschen gehört Renate Gamsjäger. Diese Auszeichnung ist die Anerkennung für viele Jahrzehnte politischen, gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und persönlichen Engagements für unsere Stadt und ihre Menschen."
Der Name Gamsjäger wird auch in Zukunft eng mit vielen Bereichen des öffentlichen Lebens verbunden sein, ist sich Stadler sicher. "Du hast dich immer eingemischt. Du hast Verantwortung übernommen. Und du hast dich vor allem dann zu Wort gemeldet, wenn es um Menschen ging, die selbst nicht immer die lauteste Stimme hatten. Wir werden dir stets ein ehrendes Andenken bewahren", so der Bürgermeister.
Renate Gamsjäger wurde 1961 in St. Pölten geboren. Nach der Matura studierte sie Kunstgeschichte in Wien, legte einen PR-Lehrgang ab und absolvierte den MBA in Krems. Beruflich war sie in unterschiedlichen Museen sowie an der Volkshochschule tätig, bevor es sie in die Politik bzw. zum NÖ Gesundheits- und Sozialfonds und in weiterer Folge zum Dachverband der NÖ Selbsthilfegruppen verschlug, wo sie als Büroleiterin tätig war.
Die Mutter zweier Kinder und stolze Großmutter zweier Enkelkinder ist seit 1997 Mitglied des Gemeinderates und seit 2000 Stadträtin. Als Wohnungsreferentin, im Sozial- und Bauausschuss, im Kulturausschuss, im Umweltbereich und in vielen weiteren politischen Funktionen hat sie an ganz unterschiedlichen Stellen Verantwortung übernommen. Zuletzt leitete sie den Ausschuss für Wissenschaft und Forschung, erst kürzlich hat sie bekanntgegeben, aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat zurückzulegen.
Ein ganz besonderer Meilenstein war die Gründung des Frauenzentrums St. Pölten: Von 2007 bis 2022 war Gamsjäger Gründerin und Vorsitzende des Vereins Frauenzentrum bzw. der Frauenberatungsstelle St. Pölten.
"Sie hat sich durch ihren umfangreichen und vielfältigen Einsatz insbesondere im Bereich der Frauenförderung sowie des kulturellen Lebens der NÖ Landeshauptstadt besondere Verdienste erworben. Seit Anbeginn ihrer politischen Tätigkeit in St. Pölten steht der Einsatz für mehr Gleichberechtigung, Förderung und Unterstützung für Frauen in schwierigen Lebenssituationen im Mittelpunkt von Renate Gamsjäger", heißt es seitens der Stadt in einem Nachruf.
"Unsere Anteilnahme in diesen schwierigen Stunden und Tagen gilt der Familie von Renate Gamsjäger", reagierte Vizebürgermeister und VP-Stadtparteiobmann Florian Krumböck auf die Nachricht über das Ableben der langjährigen Stadt- und Gemeinderätin.
Und weiter: "Wir waren inhaltlich nicht immer einer Meinung, aber dennoch haben auch wir gesehen, dass Renate ihr Amt mit vollem Einsatz ausgeübt hat. Das galt vor allem, wenn es um ihren Heimatstadtteil Wagram ging", so Krumböck.
VP-Klubobmann Alexander Thallmeier und der Ortsparteiobmann der VP-Wagram, Karl Prochaska, ergänzen: "Ein derartiges Engagement ist gerade heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Deshalb bedanken wir uns für den Dienst an unserer Stadt und wünschen der Familie von Renate Gamsjäger viel Kraft."
Mit großer Trauer reagierte die gesamte SPÖ Niederösterreich auch in einer Aussendung auf den Tod von Renate Gamsjäger. Landesrat und SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich, Landesrätin Eva Prischl, SPÖ NÖ-Klubobmann LAbg. Rene Zonschits, LT-Präsidentin Elvira Schmidt und die SPÖ NÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander sowie Karin Baier erklären gemeinsam: "Renate hat ihr Leben lang Verantwortung übernommen, Menschen zusammengebracht und vor allem Frauen gestärkt. Sie hat nicht nur darüber gesprochen, was anders werden müsste, sondern Strukturen geschaffen, die ganz konkret helfen. Damit hat sie Sozialdemokratie in ihrem besten Sinn gelebt." Als Mitbegründerin des Frauenhauses und Gründerin des Frauenzentrums St. Pölten habe Gamsjäger bleibende Spuren hinterlassen.
Erst am Montag durfte die NÖ Sozialdemokratie im Rahmen des Landesparteivorstandes Renate Gamsjäger die Viktor-Adler-Plakette, die höchste Auszeichnung verleihen und für Ihren jahrzehntelangen Einsatz Danke sagen, zeigen sich die SPÖ-Spitzen tief betroffen: "Renate war eine Frau, die angepackt, aufgebaut und anderen geholfen hat – mit Menschlichkeit, Optimismus und einer tiefen Verbundenheit zu unserer sozialdemokratischen Bewegung. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden und bei all jenen, die Renate auf ihrem Lebensweg begleiten durften. Ihnen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl."
Bürgermeister-Stellvertreter Walter Heimerl-Lesnik wird im Namen der Grünen St. Pölten anlässlich des Ablebens von Renate Gamsjäger wie folgt zitiert: "Mit Renate verliert St. Pölten eine engagierte Politikerin, die unsere Stadt über Jahrzehnte mitgestaltet und geprägt hat. Besonders ihr unermüdlicher Einsatz für Frauen und Gleichberechtigung, für die Umwelt, für Kultur, soziale Anliegen und die Menschen in unserer Stadt wird bleiben."
Und weiter: "Renate war eine engagierte und beharrliche Kollegin, der die Menschen und die Umwelt in unserer Stadt am Herzen lagen. Wir haben sie für ihre klare Haltung und ihren großen persönlichen Einsatz sehr geschätzt. Dass sie so plötzlich und viel zu früh von uns gegangen ist, macht uns tief betroffen. Unser Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden ihrer Familie, ihren Freund:innen und allen, die ihr nahestanden."