Wo sonst Wasser rauscht, bleiben derzeit vielerorts nur Schotter, Schlamm und ausgetrocknete Erde zurück. Die neu eingerichtete "Taskforce Trockenheit" des Landes legte ihre aktuelle Bilanz vor – und die fällt alarmierend aus: Bis Ende Juli fielen in Oberösterreich nur 384 statt der üblichen 624 Liter Regen pro Quadratmeter. Damit fehlten heuer bereits 240 Liter – beinahe 40 Prozent.
Auch der August brachte bisher kaum Entlastung: Statt durchschnittlich 120 wurden erst 17 Liter pro Quadratmeter gemessen. Der Sommer war zudem deutlich zu heiß. Im bisherigen Halbjahresschnitt lag die Temperatur um 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel.
Die Folgen reichen tief unter die Erde: Rund 40 Prozent der Grundwassermessstellen weisen bereits sehr niedrige Werte auf, weitere 55 Prozent niedrige. In Teilen des Inn-, Hausruck- und Traunviertels wurden sogar die niedrigsten jemals gemessenen Grundwasserstände unterschritten.
Auch oberirdisch ist die Lage dramatisch: Rund 70 Prozent der Gewässer liegen unter dem Niederwasserstand, die übrigen führen ebenfalls wenig Wasser. Lediglich Traunsee und Hallstättersee erreichen annähernd eine mittlere Wasserführung. Offensee- und Rindbach bei Ebensee trockneten zuletzt über weite Strecken völlig aus, ebenso ein rund fünf Kilometer langer Abschnitt der Mattig. "Heute" berichtete.
Im Langbathbach mussten Helfer 722 Fische aus den letzten Tümpeln retten. Der Moserteich in Schalchen war komplett trocken, der Baggersee in Pfaffstätt lag rund vier Meter unter dem Normalwert. Selbst das Prielschutzhaus oberhalb von Hinterstoder musste per Hubschrauber mit fast 10.000 Litern Wasser versorgt werden.
Bei der Trinkwasserversorgung gilt inzwischen die Stufe "Achtsamkeit". Einen flächendeckenden Mangel gebe es laut Land zwar nicht. Vor allem Hausbrunnen, kleine Wassergemeinschaften und einzelne lokale Versorger kämpfen aber mit rückläufigen Quellen und sinkenden Pegeln. Feuerwehren müssen vermehrt Nutzwasser transportieren.
"Dieser Sommer zeigt uns sehr deutlich: Auch im wasserreichen Oberösterreich kommt sauberes Trinkwasser nicht immer einfach unbegrenzt aus der Leitung", warnt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne). Und: "Eine trockene Quelle kann man nicht einfach wieder aufdrehen."
Jährlich werden mehr als 40 Millionen Euro in die Trinkwasser-Infrastruktur investiert. Die Prognose bleibt dennoch düster: Das Land erwartet weiterhin leicht fallende Grundwasserstände.