Öl-Schock, Preis-Explosion, unerwartete Ausgaben – Marianne F. hat all das früher im Leben kaum beeinflusst, jetzt leidet sie massiv unter der Teuerung. Die sonst lebenslustige Pensionistin sagt zu "Heute": "Mir bleiben Mitte des Monats nur 4,81 Euro zu Leben übrig – das kann sich ja nicht ausgehen."
Der Kassasturz vor eineinhalb Wochen brachte das schockierende Ergebnis. Die Sorgen wachsen täglich: "Man kann sich einfach nichts leisten. Ich hoffe immer, dass ich nicht auch noch krank werde."
Ihr Auto hat Marianne F. schon vor Jahren verkauft. Jetzt verzichtet sie auch auf die kleinen Freuden: "Früher ist man mit Freunden noch auf einen Kaffee gegangen, das geht jetzt nicht mehr. Ich muss bei jedem Einkauf überlegen, ob es sich noch ausgeht."
"Ich baue für solch harte Zeiten immer vor", sagt die 63-Jährige, "das habe ich von meiner Mutter gelernt." Im Klartext: Die Grundnahrungsmittel hat die Tirolerin immer daheim, "wenn man kochen kann, kommt man mit Mehl, Eier, Kartoffel, Reis und Nudeln durch." Nächste Sparmaßnahme: "Das Rauchen habe ich mir längst abgewöhnt."
Jetzt werden größere Sparpläne geschmiedet: "Ich überlege, ins Ausland zu ziehen. Dorthin, wo es billiger und wärmer ist. Portugal wäre noch rentabel", sagt sie. Und: "Dort gibt es auch viele Österreicher."
Die Pensionistin hatte ein bewegtes und behütetes Leben. Aufgewachsen ist sie in Tirol, im Alter von 21 lernte sie ihren Lebensgefährten kennen. Sie bekamen drei Kinder, der Mann brachte weitere zwei aus einer früheren Beziehung mit, und – weil es der Familie so gut ging – nahm sich das Paar noch zwei Pflegekinder. Insgesamt lebte man also mit sieben Kindern.
Damals war das kein Problem. Der Mann legte eine steile Karriere in einem großen Industrieunternehmen hin, war später auch ein wichtiger Manager in den USA. Es folgte der Absturz, er schlitterte in einen heftigen Burnout. "Jahrelang war er stark bedient – irgendwann hatte er seinen dritten Herzinfarkt", sagt die Tirolerin zu "Heute".
„Nach sieben Jahren ist mir die Luft ausgegangen“Marianne F.
Marianne F. erlebte den finanziellen Absturz, "wir waren nicht verheiratet, ich hatte überhaupt keine finanziellen Ansprüche – wir dachten einfach nicht an so etwas." Das jüngste Kind war gerade zweieinhalb Jahre alt, sie konnte nur begrenzt selbst arbeiten gehen. Sie machte sich in der Pflege selbstständig. Doch die Mehrfachbelastung war irgendwann auch ihr zu viel: "Nach sieben Jahren ist mit einfach die Luft ausgegangen." Dann war sie selbst lange psychisch und körperlich krank.
"Das wirkt sich extrem auf die Pension aus", plötzlich erlebte Marianne F. schlimme finanzielle Sorgen. 1.200 Euro bekommt sie monatlich als Pension überwiesen, "viel zu wenig Geld, um in Tirol zu überleben, dort zahlst du für einen Kaffee schon sechs Euro." Teil der Lösung: "Ich bin vor sechs Jahren in die Steiermark umgezogen."
Jetzt lebt sie im Bezirk Feldbach. Alle Kinder sind bereits ausgezogen, stehen auf eigenen Beinen, helfen der Mama. Dennoch: "Ich zahle die Miete, Versicherungen und die Lebenserhaltungskosten und schon wird es eng."
Das Desaster kam Mitte März: "Ich hatte eine schwere Grippe." Daraus folgte eine hohe Apothekenrechnung, Medikamente um 158 Euro musste sie kaufen. "Das hat mir eineghaut", sagt sie, ihr Budget war plötzlich völlig aus dem Lot gerissen. Jetzt lebt sie von weniger als 5 Euro.