Bei Schneesturm gerettet

"Hätte nicht überlebt" – Freund auf Berg zurückgelassen

Ein Deutscher (20) wurde in der Nacht auf Sonntag einfach von seinen Begleitern einfach am Hochkönig zurückgelassen. Nun ermittelt die Polizei.
02.11.2026, 07:29
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Für einen 20-jährigen Deutschen wurde eine Bergtour am Hochkönig in Salzburg zum Überlebenskampf. Während seine beiden Begleiter weiter zum Gipfel aufstiegen, saß der junge Mann auf rund 2.600 Metern Höhe fest. Bei eisigen Temperaturen und heftigem Schneefall mussten elf Bergretter ausrücken. Eine weitere Nacht im Freien hätte der Deutsche vermutlich nicht überstanden.

Begleiter steigen ohne 20-Jährigen weiter

Das Trio war am Samstagnachmittag in den anspruchsvollen Klettersteig "Königsjodler" im Hochkönigmassiv bei Mühlbach am Hochkönig (Pongau) eingestiegen. Und das, obwohl eine andere Bergsteigerin die drei Deutschen eindringlich gewarnt hatte. Auch die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes.

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Gegen 19 Uhr ging schließlich nichts mehr. Einer der drei Bergsteiger war im Bereich des Notausstiegs auf etwa 2.600 Metern völlig erschöpft und konnte die Tour nicht fortsetzen. Der 20-Jährige setzte einen Notruf ab.

Seine beiden Begleiter entschieden sich unterdessen, den Aufstieg fortzusetzen. Sie erreichten noch in der Nacht das bereits geschlossene Matrashaus auf dem 2.941 Meter hohen Hochköniggipfel und übernachteten dort.

Hubschrauber kann wegen Wetter nicht starten

Für die Bergrettung Mühlbach begann ein schwieriger Einsatz. Elf Bergretter machten sich von der Stegmoosalm auf den Weg zu dem unterkühlten Deutschen. Unterstützung aus der Luft war nicht möglich: Ein alarmierter Rettungshubschrauber konnte wegen der schlechten Wetterbedingungen nicht zum Einsatzort fliegen.

Einsatzleiter Wolfgang Haggenmüller und der Pongauer Bezirksleiter hielten währenddessen telefonisch Kontakt zu dem jungen Mann, berichtet "ORF Salzburg".

Besonders gefährlich war der Weg durch das steile Birgkar. Der felsige Steig war komplett vereist und konnte nur mit Steigeisen bewältigt werden. Dazu verschlechterte sich das Wetter weiter. Ein neuerlicher Kälteeinbruch brachte heftigen Schneefall.

20 Zentimeter Neuschnee erschweren Rettung

Erst kurz vor Mitternacht erreichten die elf Bergretter den erschöpften 20-Jährigen. Doch damit war die größte Herausforderung noch nicht überstanden.

Für den Abstieg musste der Deutsche angeseilt werden. Rund 20 Zentimeter Neuschnee hatten den Steig vollständig zugedeckt. Im steilen Gelände drohte jederzeit ein Absturz, zudem gingen Schneerutsche ab.

Bei dichtem Schneetreiben und schlechter Sicht kämpfte sich die Mannschaft Schritt für Schritt ins Tal. Erst am Sonntag um 8.18 Uhr erreichten die Einsatzkräfte gemeinsam mit dem Geretteten die Erichhütte.

Insgesamt dauerte die dramatische Rettungsaktion rund 14 Stunden. Laut Pongauer Bergrettungs-Bezirksleiter Gerhard Kremser hätte der junge Mann eine weitere Nacht unter diesen Bedingungen vermutlich "nicht überlebt".

"Die Berge laufen nicht davon"

Nach dem gefährlichen Einsatz appellierte Kremser gegenüber "ORF Salzburg" an Bergsteiger, Touren sorgfältig zu planen und Warnungen nicht zu ignorieren. "Bergsteigen bedeutet auch, rechtzeitig umzukehren. Die Berge laufen nicht davon."

Während der 20-Jährige bereits in Sicherheit war, befanden sich seine beiden Begleiter am Sonntag noch auf dem Weg ins Tal. Erst am frühen Abend erreichten sie laut Bergrettung eine sichere Höhe.

Die beiden waren zuvor ausdrücklich davor gewarnt worden, durch das gefährliche Birgkar abzusteigen. Stattdessen wählten sie den Normalweg in Richtung Arthurhaus.

Jetzt ermittelt die Alpinpolizei

Ob das Verhalten der beiden Begleiter strafrechtliche Konsequenzen haben könnte, ist nun Gegenstand polizeilicher Ermittlungen.

Wie eine Polizeisprecherin gegenüber dem ORF erklärte, sollten die Beteiligten noch am Sonntag befragt werden. Anschließend soll der Bericht an die Staatsanwaltschaft übermittelt werden. Diese muss beurteilen, ob das Zurücklassen des 20-Jährigen strafrechtlich relevant ist.

Allerdings gibt es eine wichtige Aussage des Geretteten selbst: Nach ersten Informationen erklärte er, dass er im Einverständnis mit seinen Begleitern zurückgeblieben und eigenständig umgekehrt sei. Der 20-Jährige überstand das Bergdrama ohne Verletzungen.

wil, 02.11.2026, 07:29