In manchen Regionen der Schweiz ist am Freitag ein Gewitter durchgezogen, das außergewöhnlich große Hagelkörner gebracht hat – viele davon waren deutlich mehr als fünf Zentimeter im Durchmesser. Im Gespräch mit "20 Minuten" schildert Meteorologe Peter Wick, wie solche Riesen entstehen und warum die Schäden selbst auf kurzer Strecke komplett unterschiedlich ausfallen können. Wie 20 Minuten berichtet, war das Unwetter besonders heftig.
Schicht für Schicht lagert sich gefrorenes Wasser am Hagelkorn an. Entscheidend ist laut Wick, dass die Aufwinde in der Wolke stark genug sind, damit das immer schwerer werdende Hagelkorn lange oben gehalten wird. Erst wenn es zu schwer wird oder der Aufwind schwächer wird, fällt das Korn zu Boden.
"Es braucht vor allem eine sehr labile Atmosphäre, genügend Feuchtigkeit und starke vertikale Luftbewegungen", sagt Wick. Einfach gesagt: Unten ist es warm und feucht, darüber viel kälter. Dadurch entsteht jede Menge Auftrieb. Kommt noch Windscherung dazu – also wenn sich Windrichtung oder -geschwindigkeit mit der Höhe verändert – kann das Gewitter länger bestehen und sich besser organisieren. Das erhöht die Chance auf großen Hagel noch zusätzlich.
Am Freitag ist eine markante Kaltfront auf eine vorher sehr warme, schwüle Luftmasse getroffen. Zuvor hatte sich eine für Ende August sehr ungewöhnliche Föhnlage aufgebaut – die Kaltfront hat diese Luft rasch verdrängt und für starke Hebungsprozesse gesorgt.
Schon im Vorfeld wurde nicht nur vor kräftigen Gewittern gewarnt, sondern auch ausdrücklich vor großem, verbreitetem Hagel, Starkregen und starken Windböen. In den Föhntälern sind die Temperaturen in der Nacht teils nicht unter 25 Grad gesunken, in Vaduz sogar nicht unter 29 Grad.
Hagel ist laut Wick ein ausgesprochen lokales Wetterereignis. Innerhalb einer Gewitterzelle gibt es sogenannte Hagelschneisen, die oft nur wenige Kilometer oder noch schmaler sind. Wer direkt unter dem stärksten Aufwindbereich liegt, kann besonders große Körner abbekommen – während es ein paar Kilometer weiter nur regnet oder kleinere Körner fallen.
Zusätzlich kann der Wind den Hagel noch weitertragen. Deshalb können sogar Nachbarorte völlig unterschiedliche Schäden melden.
Hagel mit fünf Zentimetern Durchmesser ist in der Schweiz schon außergewöhnlich und kann schwere Schäden anrichten, sagt Wick. Den Fotos vom Freitag nach zu urteilen, waren die Körner sogar noch deutlich größer. Peter Wick meint: "Solche Kolosse habe ich wirklich erst selten gesehen."