Lamm-Käsekrainer statt Schweinefleisch: Unter dem Motto "Halal isst Wurst" bieten die zwei Wiener Würstelstände noch bis inklusive 26. Oktober Wurst-Klassiker ohne Schweinefleisch und "halal" – also nach islamischer Tradition – an. Die Aktion sorgt online für heftige Reaktionen. Die Wüstelstand-Betreiber berichten auf Social Media nun sogar von Hassnachrichten und Drohungen.
"Bevor wir anfangen, bekommen wir Nachrichten, in denen uns vorgeworfen wird, unsere Kultur zu verraten", schreiben die Betreiber auf Instagram. "Wir servieren vier Tage lang Halal-Würstel. Jemand wünscht uns deshalb, dass unser Würstelstand abbrennt." Sogar mit Gewalt gegen die Familie sei bereis gedroht worden.
Dabei soll die "Halal"-Aktion laut den Betreibern Menschen zusammenbringen, die bisher nicht selbstverständlich am Würstelstand mitessen konnten. "Der Wiener Würstelstand soll ein Ort sein, an dem möglichst viele Menschen zusammenkommen können", erklären die Imbiss-Chefs. Die Drohungen würden sie ernst nehmen, von ihrem Vorhaben abrücken wollen sie aber nicht. "Einschüchtern lassen wir uns nicht", stellen sie klar.
Bei der Aktion "Halal isst Wurst" wird auf Schweinefleisch verzichtet. Stattdessen gibt es Lamm-Käsekrainer, Rinds-Käsekrainer und Lamm-Bosna. Auch der "Barca-Dog" mit Wagyu-Bratwürstel, Salsa Romesco und eingelegten Zitronen steht auf der Speisekarte. Vegetarische Spezialitäten ergänzen das Angebot. Eine lange gemeinsame Tafel, Brettspiele und Musik sollen die Besucher miteinander ins Gespräch bringen.
Tierschützer protestieren auf der Instagramseite des Wiener Würstelstands gegen das Schlachten von Tieren nach islamischer Tradition. "Halal gehört verboten in Europa", fordert ein User. "Ist die Schlachtung betäubungslos, verursacht dies laut Tierschutzorganisationen erhebliche Schmerzen, Atemnot und Todesangst", schreibt "Bruno" auf Insta. "Lieber vegan als halal", fordert "Uli". "Lasst sie reden, wir kommen", meint hingegen User "Behalal".
Entstanden ist die "Halal"-Aktion aus einer Diskussion im letzten Jahr. Damals ging es um die Frage, ob das klassische Angebot am Würstelstand bestimmte Menschen ausschließe.
"Wenn die Wiener Würstelstandkultur ein lebendiges Kulturerbe ist, dann darf sie sich auch mit der Stadt verändern", erklären die Imbiss-Profis. Sonntag (25.10.) und Montag (26.10.) bieten die Betreiber in ihren Ständen in der Pfeilgasse (Josefstadt) und in Wien-Spittelau (Alsergrund) noch Halal-Spezialitäten an.