Eigentlich wollte eine 92-jährige Kundin nur Hilfe bei einem technischen Problem an ihrem Smartphone bekommen. Dazu suchte sie ein Handy-Geschäft in der Berner Innenstadt auf. Wie "20 Minuten" berichtet, bekam sie dort jedoch keine Unterstützung.
Vielmehr versuchte man offenbar, mit der Seniorin das große Geschäft zu machen. Ein Verkäufer drehte der Frau fünf Handyverträge, vier neue Smartphones und fünf Musikboxen an.
Unter dem Vorwand, dass das "alles das gleiche" sei und sie nur unterschreiben müsse, legte ihr der Handyshop-Mitarbeiter einige Formulare vor, hieß es in dem Bericht. Die 92-Jährige vertraute dem Verkäufer und setzte ihre Unterschrift unter die Verträge.
Als Konsequenz verlangte der Telekom-Anbieter nun 200 Franken (218 Euro) im Monat von der Pensionistin. Die Mindestlaufzeit der Verträge beträgt zwei Jahre, eine vorzeitige Auflösung könne nur gegen eine Gebühr von 4.200 Franken (knapp 4.580 Euro) erfolgen.
Wie Recherchen des SRF-Konsumentenmagazins "Kassensturz" zeigen, soll es in demselben Geschäft schon früher zu einem ähnlichen Fall gekommen sein. Das Opfer: Ein 83-jähriger, demenzkranker Mann. Auch ihm wurden fünf Abos und zusätzlich noch fünf Handys verkauft.
Selbst eine Intervention seiner Tochter beim Kundendienst konnte nichts bewirken. Erst als sich ein Ombudsmann, Oliver Sidler, einschaltete, zog der Anbieter in einem der Fälle die Verträge zurück.
Gegenüber SRF fand Siedler harte Worte über das Vorgehen der Handyshop-Mitarbeiter. Ihm zufolge hätten sie die Unerfahrenheit und das Alter der Kunden ausgenutzt. Er sprach davon, dass man die Senioren tatsächlich "über den Tisch gezogen" habe.