Ein fast 75 Jahre alter Vertrag zwischen den USA und Dänemark sorgt jetzt für Wirbel rund um eine Grundsatzeinigung, die US-Präsident Donald Trump mit der Nato zu Grönland verkündet hat. Wie am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos aus Delegationskreisen zu hören war, soll das Abkommen von 1951 neu verhandelt werden. Der Vertrag räumt den USA weitreichende Rechte ein, ihre Militärpräsenz auf der arktischen Insel auszubauen – allerdings immer im Rahmen der Nato und in Absprache mit Dänemark und Grönland.
Die Amerikaner betreiben den Militärstützpunkt Pituffik im Nordwesten Grönlands. Dort sind derzeit rund 200 Soldaten stationiert. Der Stützpunkt wurde 1951 errichtet und steht seit 2020 unter dem Kommando der US Space Force, die für die Überwachung des Weltraums zuständig ist. Die Anlage in Pituffik ist für die US-Raketenabwehr besonders wichtig, weil sie genau auf der kürzesten Flugroute zwischen Russland und den USA liegt.
Die Grundlage ist ein Abkommen aus dem Kalten Krieg: Am 27. April 1951 schlossen die USA und Dänemark den Vertrag mit dem Titel "Verteidigung Grönlands". Völkerrechtlich gehört das autonome Gebiet zur Arktis zu Dänemark. 2004 wurde der Vertrag erneuert und gilt bis heute. In der Präambel steht, dass die Vereinbarung "zum Nutzen der Nordatlantikvertrags-Organisation" (Nato) gedacht ist, die 1949 gegründet wurde.
Artikel 2 erlaubt es den USA, das Gebiet Grönlands "für militärische Zwecke" zu nutzen. Dazu zählt etwa der Bau und Betrieb von Militäranlagen sowie die Stationierung und Unterbringung von Soldaten und Zivilisten. Außerdem gibt das Abkommen Washington die Kontrolle über "den Betrieb von Schiffen, Flugzeugen sowie Wasserfahrzeugen" – aber eben "unter gebührender Achtung der Zuständigkeiten der Regierung des Königreichs Dänemark".
Während des Kalten Kriegs waren zeitweise bis zu 10.000 US-Soldaten auf dem Stützpunkt in Grönland stationiert. Später wurde die Zahl wieder deutlich reduziert.
Ja, sagt Marc Jacobsen vom Royal Danish Defence College. "Das ist bereits im Rahmen des geltenden Abkommens möglich." Im 2004 ergänzten Vertrag steht, dass die US-Regierung die dänische und die grönländische Regierung "vor der Umsetzung wesentlicher Änderungen an militärischen Operationen oder Einrichtungen der Vereinigten Staaten in Grönland konsultieren und informieren" soll.
Laut einer Nato-Sprecherin wollen die USA, Dänemark und Grönland besprechen, wie verhindert werden kann, dass Russland und China auf der Arktisinsel "Fuß fassen". Trump hatte in dem Zusammenhang gemeint: "Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen."
Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Delegationskreisen in Davos erfahren hat, sollen europäische Staaten in Zukunft eine größere sicherheitspolitische Rolle in der Arktis übernehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte dazu, die "Sicherung des hohen Nordens" durch die Nato sei "ein gemeinsames transatlantisches Interesse". Die europäischen Nato-Mitglieder müssten in der Arktis "mehr tun".