Die Affäre rund um das Wiener Marktamt zieht weitere Kreise. Nach Mobbing-, Rassismus- und Sexismus-Vorwürfen trat Marktamtschef Andreas Kutheil zurück. Auch sein Stellvertreter legte sein Amt nieder – gegen ihn stehen Vorwürfe rund um gefälschte Facebook-Einträge und die Fälschung von Unterlagen im Raum. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Bekannt wurden die Fälle, nachdem sich Mitarbeiter des Marktamtes an Medien gewandt hatten. Die Reaktion der Stadt sorgte anschließend selbst für Wirbel: In einem Intranet-Eintrag wurde daran erinnert, dass die "eigenmächtige Weitergabe von internen Dienstgeheimnissen, vertraulichen Informationen oder unbestätigten Vorwürfen an Medien oder Dritte" dienstliche und strafrechtliche Konsequenzen haben könne.
Die Wiener Grünen werteten das als "Maulkorb-Erlass" und kritisierten das Vorgehen scharf. Nun melden sich weitere Beschäftigte des Marktamtes zu Wort. Sie berichten von Vorgängen, die sie als "Einschüchterungsversuche" empfunden hätten.
Mehrere Mitarbeiter – darunter auch Leiter der Bezirksaußenstellen – seien zu einem Gespräch mit dem Magistratsdirektor ins Rathaus einberufen worden. Was dort passiert sein soll, schildern die Mitarbeiter gegenüber "Heute" so: "Es wurden vor dem Gespräch sämtliche Handys aller Mitarbeiter abgenommen, damit Aufnahmen nicht möglich sind. Schon dies war skandalös."
Im anschließenden Gespräch sei es vor allem darum gegangen, dass keine Informationen mehr an die Medien gelangen dürften. Bei den Beschäftigten habe das für massives Unverständnis gesorgt. "Wir, eine Vielzahl an MitarbeiterInnen der MA 59, sind vom Verhalten des Magistratsdirektors massiv irritiert und haben unser Vertrauen in unseren Dienstgeber und deren Meldewesen leider komplett verloren. Was hier passiert wirkt ganz und gar nicht nach Aufklärung, sondern im Gegenteil, nach Einschüchterung", heißt es gegenüber "Heute".
Die Magistratsdirektion bestätigt auf "Heute"-Nachfrage, dass das besagte Gespräch zwar stattgefunden habe, allerdings nicht im Rathaus. "Weiters ist nicht korrekt, dass die Handys abgenommen wurden, sondern es wurde einvernehmlich im Sinne einer störungsfreien und unbelasteten Gesprächsatmosphäre darauf verzichtet", wird klargestellt.
Zweck des Gesprächs sei gewesen, mit allen Führungskräften offen über alles zu sprechen und sich einen persönlichen Eindruck vor Ort zu verschaffen. Die Führungskräfte der MA 59 hatten die Möglichkeit mit der Magistratsspitze persönlich zu sprechen und ihre Anliegen vorzubringen. Zudem wurde über die internen Meldemöglichkeiten und -prozesse informiert und auf die bevorstehende Einschaltung im Intranet hingewiesen.
"Angesichts des Feedbacks vor Ort und des wertschätzenden offenen Austauschs ist es aus unserer Sicht nicht glaubhaft, dass man das Gespräch als Einschüchterung verstanden hat. Es könnte vielmehr als neuerlicher Versuch gewertet werden, das Marktamt wieder in die Medien zu bringen", so die Magistratsdirektion.