Die Nacht ist für Katja (Name von der Redaktion geändert) ein schwarzes Loch. Die heute 26-jährige Steirerin war vor einigen Jahren mit ihrer besten Freundin auf einer Feier im Grazer Univiertel. Dort wurden ihr unbemerkt Drogen ins Getränk gemischt.
Wann genau es passiert ist, weiß Katja nicht. Dabei sei sie beim Fortgehen immer besonders vorsichtig gewesen. "Meine Mama hat schon immer gesagt: Aufpassen, nie ein Getränk stehen lassen", sagt sie der "Kleinen Zeitung".
An diesem Abend waren die beiden vielleicht zwei Stunden auf der Feier. "Zwei oder drei Spritzer, die wir alle selbst gekauft haben. Ich habe mit mehreren Leuten geplaudert, wahrscheinlich war ich abgelenkt", mutmaßt Katja.
Plötzlich verändert sich ihr Zustand, beschreibt sie der Kleinen Zeitung: "Dann wurde mir schwindelig. Ich habe meiner Freundin gesagt, dass ich kurz raus gehe an die frische Luft." Ab diesem Moment fehlen ihr die Erinnerungen komplett. "Ich weiß nichts mehr."
Rund eine halbe Stunde später kommt ihre Freundin vor das Lokal und findet Katja fast ohnmächtig am Boden. Was in diesen 30 Minuten passiert ist, weiß niemand.
Die Rettung wird gerufen, Katja kommt ins Krankenhaus. Ein Test auf K.O.-Tropfen fällt positiv aus. Davon erfährt die junge Frau allerdings erst später.
"Ich habe meiner Freundin Dinge erzählt, von denen ich gar nichts mehr weiß. Zum Glück wusste sie, dass ich kaum Alkohol intus hatte, und hat die Rettung gerufen."
Zeichen von Gewalt werden bei der Murtalerin nicht festgestellt. Die Ungewissheit darüber, was während ihres Blackouts passiert ist, belastet sie dennoch.
"Ich weiß trotzdem nicht, was mit mir passiert ist. Das ist das Schlimmste an dem Ganzen. Man fühlt sich so hilflos."
Weil an diesem sommerlichen Abend viele Gäste auch im Außenbereich waren, geht Katja rückblickend davon aus, dass ihr keine Gewalt angetan wurde. "Ich denke und hoffe, dass ich erst zusammengebrochen bin, kurz bevor meine Freundin gekommen ist. Sonst hätte wohl jemand anders schon Hilfe geholt."
Körperlich erholte sich die Steirerin schnell, lediglich eine extreme Müdigkeit blieb einige Tage. Psychisch beschäftigt sie das Erlebnis bis heute.
Der Kleinen Zeitung sagt sie: "Ich habe mir lange Vorwürfe gemacht, darum will ich mit meiner Geschichte auch an die Öffentlichkeit: Ihr seid nicht Schuld! Schuld ist der Täter, nie das Opfer."
Ein Täter wurde in Katjas Fall nie gefunden, auch Zeugen gab es keine. Katja lobt ausdrücklich das Krankenhauspersonal und die Polizei. Sie sei stets umsichtig behandelt worden.
Eine Konsequenz hat die 26-Jährige für sich aus der Nacht gezogen. "Tatsächlich gehe ich nie mehr irgendwo ohne Freunde hin, schon gar nicht aus einem geschützten Bereich wie einem Lokal heraus. Und ich hätte die Symptome ernster nehmen müssen. Aber damals waren meine Sinne wohl schon vernebelt - und das nicht nur vom Alkohol."