Ein Theaterabend, der unter die Haut geht: In der Zürcher Gessnerallee sorgt die brasilianische Performance-Künstlerin Carolina Bianchi mit ihrer Inszenierung für heftige Reaktionen.
Im Stück "The Bride and the Goodnight Cinderella" nimmt sie auf offener Bühne K.o.-Tropfen ein. Das Publikum sieht, wie sie eine Substanz in ein Getränk mischt und es trinkt. Sie erzählt von Künstlerinnen wie Marina Abramović, Valie Export und der Frage, wie man künstlerisch mit Schmerz umgehen kann. Kurz darauf wirkt sie benommen, beginnt zu lallen und bricht schließlich zusammen.
Fast zwei Stunden liegt die 1984 geborene Schauspielerin regungslos auf der Bühne. Währenddessen stellen andere Darsteller zu lauter Club-Musik sexuelle Übergriffe dar. Die Szenen greifen reale Missbrauchsfälle auf, die international für Entsetzen sorgten.
Erst gegen Ende kommt Bianchi wieder zu sich. Im Saal herrscht zunächst Stille, danach gibt es minutenlangen Applaus.
Die Künstlerin sagt selbst, dass sie früher Opfer von "Goodnight Cinderella" wurde – so wird die Droge in Brasilien genannt. An den Vorfall kann sie sich nicht erinnern. Mit ihrer Performance will sie eine Debatte anstoßen und Fragen aufwerfen.
Juristisch ist der Auftritt heikel: Die Einnahme eines Beruhigungsmittels sei nicht automatisch strafbar, sagt eine Strafrechtlerin. Entscheidend sei, ob tatsächlich verbotene Substanzen verwendet wurden.