Ein außergewöhnliches Stück Wiener Immobilien- und Zeitgeschichte sucht neue Besitzer. In Neustift am Walde im 19. Bezirk stehen zwei unmittelbar benachbarte historische Häuser zum Verkauf. Die Immobilien können entweder einzeln oder gemeinsam erworben werden.
Besonders die Kombination der beiden Liegenschaften macht das Angebot zur Rarität: Zusammen verfügen die Grundstücke über mehr als 1.700 Quadratmeter Fläche in einer der begehrten und grünen Wohngegenden Döblings.
Mit der Vermarktung wurde RKM Immobilien beauftragt. Doch nicht nur Lage und Grundstücksgröße machen die beiden Häuser besonders. Hinter ihren Mauern steckt auch jede Menge Wiener Geschichte.
Eines der Häuser wurde für den Wiener Künstler Karl Fränkel (1895–1964) errichtet. Fränkel arbeitete als Maler, Grafiker und Bildhauer und beschäftigte sich intensiv mit verschiedenen Drucktechniken.
Wien und insbesondere das Leben in den Wiener Vorstädten spielten in seinem künstlerischen Schaffen eine wichtige Rolle. Neben Zeichnungen und Skulpturen fertigte er zahlreiche Holzschnitte an und druckte grafische Arbeiten auf seiner eigenen Handpresse.
Seine Werke finden sich heute in bedeutenden österreichischen Sammlungen – darunter in der Albertina, im Belvedere, im Wien Museum und in der Österreichischen Nationalbibliothek.
Auch Fränkels eigene Geschichte wurde von den dunkelsten Kapiteln des 20. Jahrhunderts geprägt. 1939 musste er gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin und Designerin Anna Fränkel-Rotziegel, Österreich verlassen und nach Großbritannien emigrieren. Später wurde er als sogenannter "enemy alien" nach Australien deportiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Fränkel nach Wien zurück.
Direkt daneben befindet sich ein Haus, das für Kurt Vorhofer (1929–1995) errichtet wurde. Der Politikjournalist gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten Beobachtern der österreichischen Innenpolitik.
Vorhofer arbeitete ab 1956 für die "Kleine Zeitung", leitete lange deren Wiener Redaktion und wurde später stellvertretender Chefredakteur. Bekannt war er insbesondere für seine kritische Distanz zur Politik und seine analytische Berichterstattung.
Sein Name lebt bis heute im Kurt-Vorhofer-Preis weiter. Die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung würdigt besondere Leistungen im österreichischen Politikjournalismus und wurde 2026 bereits zum 31. Mal vergeben.
Für einen Käufer beider Immobilien eröffnet sich eine für Wien ungewöhnliche Möglichkeit. Die mehr als 1.700 Quadratmeter zusammenhängende Grundstücksfläche könnte – im Rahmen der geltenden baurechtlichen Bestimmungen – etwa als großzügiges Familienanwesen genutzt werden.
Denkbar wären laut Vermarkter auch eine Mehrgenerationenlösung oder eine repräsentative Unternehmens- beziehungsweise diplomatische Residenz. Gleichzeitig können die beiden Häuser unabhängig voneinander erworben und genutzt werden.
Damit treffen bei dem Angebot gleich mehrere Besonderheiten zusammen: zwei unmittelbar benachbarte historische Häuser, eine außergewöhnlich große Grundstücksfläche und die Verbindung zu zwei Persönlichkeiten der Wiener Kultur- und Mediengeschichte.