Überhitzen sehr schnell

Hitzequal für Pferde: Fiakerverbot ab 30 Grad gefordert

Der Verein gegen Tierfabriken fordert strengere Regeln für Fiaker. Statt ab 35 Grad sollen die Pferde bereits ab 30 Grad nicht mehr unterwegs sein.
Wien Heute
27.06.2026, 12:10
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Zweiter Tag hitzefrei für Wiens Fiakerpferde: Bereits am Freitag erreichten die Temperaturen am späten Nachmittag in der City die 35-Grad-Marke. Am Samstag wurden die 35 Grad bereits um 11.40 Uhr erreicht.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) fordert aufgrund der aktuellen Hitzewelle erneut strengere Regeln für Wiens Fiaker. Statt eines Fahrverbots ab 35 Grad sollen Pferdekutschen bereits ab 30 Grad nicht mehr unterwegs sein.

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Seit zehn Jahren hitzefrei ab 35 Grad

Denn Pferde vertragen Hitze deutlich schlechter als Menschen und überhitzen auch sehr schnell, da sie überschüssige Wärme deutlich langsamer an die Umwelt abgeben können. Bei schwerer Belastung oder einem Hitzestau kann die Körpertemperatur schnell auf 41 Grad oder mehr ansteigen, was für die Tiere lebensbedrohlich ist. Zusätzlich können sie bis zu 30 Liter Flüssigkeit pro Stunde verlieren.

Seit der Novelle des Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetzes im Jahr 2016 gilt daher: Wird an der Messstation der GeoSphere Austria (ehemals ZAMG) in der Inneren Stadt (4., Operngasse 17-21) eine Lufttemperatur von 35 Grad Celsius erreicht, müssen alle Fiaker den Betrieb sofort einstellen. Für den restlichen Tag dürfen sie nicht mehr ausfahren.

Kritik von Tierschutzorganisationen

Genau diese Regelung kritisieren Tierschutzorganisationen seit Jahren, weil die Temperaturen in den Straßenschluchten und auf dem Asphalt deutlich höher sein können. Der VGT kritisiert, dass die Temperatur nicht direkt an den Fiakerstandplätzen gemessen werde. Dadurch seien die Tiere Temperaturen von bis zu 38 Grad sowie einer Bodenhitze von bis zu 50 Grad ausgesetzt, bevor die Hitzeregelung überhaupt greife.

"Es ist ein Irrsinn, dass die Pferde an extremen Hitzetagen, wie an diesem Wochenende, überhaupt in die Stadt fahren müssen, wenn sich bereits abzeichnet, dass die Hitzefrei-Grenze von 35 Grad auf jeden Fall erreicht werden wird und die Kutschen danach wieder heimfahren müssen. Während sich die Stadt weiter aufheizt, müssen die Pferde dann beim Hitze-Maximum die Heimfahrt antreten", meint VGT-Campaigner Georg Prinz in einer Aussendung.

Forderung nach Fahrverbot ab 30 Grad

Der VGT verlangt, die Hitzefrei-Grenze auf 30 Grad zu senken, an allen Standplätzen Schatten bereitzustellen und die Temperatur direkt vor Ort zu messen. An besonders heißen Tagen solle auf den Einsatz der Fiaker vollständig verzichtet werden. Die entsprechende Petition wurde laut Verein bereits knapp 63.000-mal unterzeichnet.

Auch die Wiener Grünen schließen sich den Forderungen an. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Pferde bei diesen Temperaturen eingesetzt werden, nur um ein nostalgisches Bild aufrechtzuerhalten. Tradition darf nicht als Deckmantel für systematisches Tierleid missbraucht werden“, so Cosma Stöger vom Grünen Tierschutzforum, einer Organisation der Grünen Wien.

Kutscher fahren oft schon bei 34 Grad heim

Auch die Grüne Sprecherin für Tierschutz, Jennifer Kickert, schließt sich der Kritik an. "Pferde im dichten Verkehr durch die aufgeheizte Innenstadt zu kutschieren, ist weder zeitgemäß noch im Sinne des Tierwohls. Seit Jahren schon setzen wir uns dafür ein, dass Fiakerfahrten ab 30 Grad unzulässig sein sollen."

Die Fiakerbetriebe wollen den Betrieb hingegen fortsetzen. Fuhrwerksunternehmer Wolfgang Fasching, auch als "Fiakerbaron" bekannt, betont gegenüber dem ORF, dass sich die Betriebe an die gesetzliche Grenze von 35 Grad halten würden. In der Praxis würden die Kutscher meist bereits bei 34 Grad heimfahren. Nach seinen Angaben sei die ausreichende Wasserversorgung entscheidend. An heißen Tagen benötige ein Fiaker bis zu 120 Liter Wasser.

Studie zur Pferdenutzung läuft noch

Seit Jahren sorgt der Einsatz von Fiakerpferden im Sommer für Diskussionen. Stadt Wien und Bund haben dazu eine wissenschaftliche Studie zur "Pferdenutzung in Zeiten des Klimawandels" gestartet. Die Testfahrten laufen seit dem Vorjahr über einen Zeitraum von einem Jahr. Untersucht wird, wie sich Hitze und andere Umwelteinflüsse auf Fiaker- und Sportpferde auswirken und ob daraus neue Schutzmaßnahmen abgeleitet werden sollen.

In Wien sind derzeit rund 60 Fiakerbetriebe mit etwa 200 Pferden konzessioniert. Die Pferdekutschen gehören seit Jahrhunderten zum Stadtbild und sind vor allem in der Wiener Innenstadt eine beliebte Touristenattraktion. Für den Einsatz gelten strenge Vorgaben. Die Pferde dürfen höchstens an 18 Tagen pro Monat eingesetzt werden und die Betriebszeiten sind begrenzt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.06.2026, 12:10
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