Österreich kommt einfach nicht aus dem Schwitzen. Die aktuelle Hitzewelle spitzt sich laut UBIMET am kommenden Wochenende noch einmal deutlich zu. Der bisherige Jahres-Höchstwert von 36,6 Grad, gemessen am vergangenen Sonntag in Bad Deutsch-Altenburg, dürfte klar übertroffen werden. Besonders im Osten des Landes sind Temperaturen um die 40 Grad möglich.
Damit geraten auch die Juni-Rekorde ordentlich ins Wanken. Österreichweit liegt der bisherige Monatshöchstwert bei 38,6 Grad, gemessen in Waidhofen an der Ybbs. Dieser Rekord könnte am Samstag und/oder Sonntag fallen. Sollte sich die aktuelle Prognose bewahrheiten, steht sogar der österreichische Allzeitrekord zur Diskussion. Dieser liegt seit dem 8. August 2013 bei 40,5 Grad und wurde ebenfalls in Bad Deutsch-Altenburg aufgestellt.
40 Grad oder mehr sind in Österreich extrem selten. Am Rekordtag im Jahr 2013 wurden solche Werte auch in Neusiedl am See und in Güssing erreicht. Abgesehen von diesen drei Messungen kamen 40 Grad in Österreich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 250 Jahren nicht vor. Nun könnte genau diese Marke wieder gefährlich nahe rücken.
Während viele Menschen unter der Hitze leiden, trifft es junge Wildtiere besonders hart. Im Tierschutzhaus Vösendorf des Wiener Tierschutzvereins, Tierschutz Austria, werden derzeit bereits die ersten jungen Mauersegler aufgenommen. Für die Vögel kommt die Hitze viel zu früh – und sie kann tödlich enden.
Der Grund: Mauersegler nisten oft unter Hausdächern. Dort staut sich die Hitze massiv. Unter den von der Sonne aufgeheizten Dächern klettern die Temperaturen teils auf weit über 50 Grad. Für Jungvögel, die noch nicht fliegen können, verwandelt sich das Nest damit in eine tödliche Hitzefalle.
"Die Tiere stehen vor einer grausamen Entscheidung: Entweder sie bleiben im Nest und drohen bei der Hitze zu verenden oder sie springen in die Tiefe, obwohl sie noch gar nicht fliegen können", schildert Stephan Scheidl, Tierheimleiter des Tierschutzhauses Vösendorf, die Tragödie.
„Wir befürchten, dass in den kommenden Tagen noch deutlich mehr Jungvögel aus ihren überhitzten Nestern springen werden.“Stephan Scheidl
Wer den Sturz überlebt, ist am Boden aber noch lange nicht gerettet. Die jungen Mauersegler sind dort schutzlos. Sie können rasch überhitzen oder werden zur leichten Beute für Krähen und Katzen. Besonders alarmierend: Heuer mussten bereits Ende Juni die ersten Jungvögel aufgenommen werden – rund einen Monat früher als im vergangenen Jahr.
"Wir befürchten, dass in den kommenden Tagen noch deutlich mehr Jungvögel aus ihren überhitzten Nestern springen werden. Je heißer es unter den Dächern wird, desto größer wird der Überlebensdruck für die Küken", warnt Scheidl.
Der Appell der Tierschützer ist klar: Bitte nicht wegschauen. Wer einen Mauersegler am Boden findet, sollte sofort handeln. "Ein Mauersegler am Boden ist immer ein Notfall. Die Tiere brauchen rasch Hilfe und sollten in eine Wildtierstation, etwa zu uns nach Vösendorf, oder zu einem Tierarzt gebracht werden", so Scheidl.
Verletzte oder hilfsbedürftige Wildtiere können rund um die Uhr über den Tiernotruf des Wiener Tierschutzvereins/Tierschutz Austria unter +43 1 699 2480 gemeldet werden. Die Aufzucht eines einzelnen Mauerseglers kostet rund 70 Euro und ist nur dank Spenden möglich.