Wenn man in der Wohnung zusammenwohnt oder im Büro sitzt, fällt es schnell auf: Die Frauen zittern schon, während die anderen schon ihren Pullover ausziehen. Paare streiten sich über das Thermostat, Kolleg:innen diskutieren hitzig über die ideale Raumtemperatur - und fast immer fällt der Satz: "Frauen frieren doch eh immer mehr!". Aber stimmt das wirklich?
Dass Frauen im Durchschnitt eher frieren als Männer, scheint zunächst wirklich zu stimmen. Studien zeigen: Die durchschnittliche Körpertemperatur von Frauen liegt leicht höher, aber Hände und Füße kühlen schneller aus. Grund dafür ist, dass Frauen einen anderen Stoffwechsel haben sowie eine unterschiedliche Fettverteilung. Auf der einen Seite haben oft sie mehr subkutanes Fett (jenes, das Wärme speichert), auf der andern Seite jedoch weniger Muskelmasse als Männer, was weniger Eigenwärme erzeugt.
Aber Vorsicht: Diese Unterschiede sind nicht auf die gesamte Bevölkerung umzumünzen. So gibt es durchaus auch Männer, die bei 18-20 Grad im Büro frieren, während Frauen selbst bei Minustemperaturen nicht zum Eiszapfen werden. Ich denke dabei an meine Studienzeit in England, wo viele im tiefsten Winter mit kurzen Röcken und Crop Tops vor dem Club standen - hatte aber bestimmt andere Gründe...
Aber kommen wir zu dem Phänomen zurück, dass Frauen Hitze eher aushalten als Männer und dagegen bei Kälte eher zurückschrecken. Dazu gibt es besonders zum Thema "Pärchen unter der Dusche" einige lustige Reels auf Instagram oder TikTok. Während Frauen es genießen, das Wasser richtig heiß laufen zu lassen, ist es für viele Männer eine Qual, dazuzustoßen.
Die Erklärung: Das weibliche Hormon Östrogen steuert die Durchblutung, Progesteron die Körperkerntemperatur. Hände, Füße und Hautoberfläche kühlen dann schneller aus - heiße Duschen bringen das Temperaturgefühl wieder in Balance. Männer dagegen produzieren eben mehr Wärme durch ihren Stoffwechsel und ihre Muskelmasse - sie bleiben länger warm. Deshalb fühlt es sich für die meisten eher wie Lava als eine angenehme Dusche an.
Ein weiterer Punkt in dieser "hitzigen Debatte" ist, dass über Jahrtausende hinweg für den weiblichen Körper eines wichtig war - und zwar: Schutz der inneren Organe, besonders die Gebärmutter. Um das zu schaffen, wird Blut bevorzugt in den Körperkern geleitet. Ergo: Weibliche Geschlechtsorgane liegen gut geschützt, während die männlichen zur Abkühlung außen sind.
Doch nicht nur körperliche Fakten sprechen dafür, dass Frauen wirklich eher frieren. Wärme hat auch einen psychologischen Einfluss: Viele Frauen empfinden Wärme als beruhigend, tröstend und sicher. Außerdem: Wer regelmäßig heiß duscht, der ist sich die Temperaturen gewohnt. Doch das kann genauso für Frauen schädlich sein. Auch wenn es sich im Moment gut anfühlt, für die Hautbarriere sind zu heiße Duschen eher zu meiden.
Manche von euch denken sich jetzt vielleicht: "Bei uns ist das aber nicht so!" - und das ist auch nicht ungewöhnlich. Denn neben Hormonen spielt der Lebensstil eine sehr große Rolle was das Temperaturempfinden betrifft.
Bewegt man sich viel, wird man eher nicht so schnell frieren - ganz unabhängig vom Geschlecht. Friert man ständig, sollte man sich auch über seine Ernährung Gedanken machen. Denn wer regelmäßig und ausgewogen isst, hält den Stoffwechsel aktiv und kann Kälte eher tolerieren. Strikte Diäten oder lange Fastenperioden sind deshalb für Frostbeulen im Winter ungünstig.
Auch chronischer Stress ist ein Faktor, der beide Geschlechter bibbern lassen kann - Schlafmangel, Dehydration und zu viel Koffein verengen die Blutgefäße und verschlechtern die Durchblutung - insbesondere in den Händen und Füßen.
In der Schwangerschaft, Menopause oder während den hormonellen Schwankungen (Pilleneinnahme, etc.) kann es auch die Frau sein, die die Heizung zurückdreht oder die Dusche kälter einstellt.
All das zeigt vor allem eines: Temperaturvorlieben sind kein fixes Geschlechtermerkmal, sondern etwas Dynamisches. Sie verändern sich auch in Lebensphasen und Änderung von Gewohnheiten. Deshalb ist die Frage "Wer friert mehr" weniger leicht zu beantworten, als man denkt.