Kälte-Rekord der Woche: minus 27,9 Grad in Liebenau-Gugu (OÖ). Auch jetzt noch ist es vor allem im Osten laut Wetterbericht sehr kalt. Extremtemperaturen gab es nicht nur in alpinen Regionen und genau davor warnt der Kälteforscher Erich Hohenauer aus Vorarlberg.
"Die Gefahr lauert nicht nur in den Bergen, sondern vor allem dort, wo es besonders windig ist – und das gilt auch für Städte wie Wien." Denn ein wesentlicher Faktor in Bezug auf Erfrierungen sei neben der Zeit auch die Windgeschwindigkeit. "Dabei handelt es sich um den sogenannten Windchill-Faktor. Weht der Wind mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde bei minus 10 Grad, dann handelt es sich um eine gefühlte Temperatur von minus 15 Grad oder mehr." In den Städten sei Kälte zudem besonders trügerisch, da man dort nicht mit Folgen rechne, so der Geschäftsführer für Kälte- & Hypoxietherapie.
Grundsätzlich hat der menschliche Körper eigentlich selbst einige Tricks parat, um sich vor der Kälte zu schützen. Wird er niedrigen Temperaturen ausgesetzt, erhöhen sich die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Atemfrequenz. Gleichzeitig wird der wichtigste Part, der Oberkörper samt den Organen besonders geschützt, während auf Finger, Zehen, Nase und dergleichen verzichtet werden kann. Dort wird deshalb die Durchblutung mittels Schließen der Blutgefäße gedrosselt. Das ist auch der Grund, warum wir oft schnell kalte Hände und Füße haben.
"Was nicht zum Überleben benötigt wird, dort wird die Durchblutung gedrosselt. Der Körper arbeitet dazu von außen nach innen, um im Oberkörper die Kerntemperatur von ungefähr 37 Grad halten zu können. Dabei hilft auch das Zittern", erklärt der Wissenschaftler. Die rhythmischen Muskelkontraktionen - also das Anspannen und Entspannen der Muskeln - verhindern, dass Wärme abgegeben wird und sorgen gleichzeitig für eine Wärmeproduktion.
„Was nicht zum Überleben benötigt wird, dort wird die Durchblutung gedrosselt.“
Und dann wäre da noch die sogenannte Gänsehaut. "Stellen sich die Härchen auf unserer Haut auf, ist das eine zusätzliche Isolationsschicht, denn durch die warme Luftschicht zwischen den aufgestellten Haaren kann dem Körper weniger Wärme entzogen werden."
Dann gibt es noch einige Dinge, auf die man selbst achten kann und ab gewissen Temperaturen laut dem Experten auch unbedingt sollte. Das A und O bei Kälte: die entsprechende Kleidung und ein wenig Bewegung. Dabei seien Großmutters Zwiebelschichten nicht unbedingt falsch, allerdings nicht immer zu empfehlen. "Gehe ich beispielsweise in der Stadt spazieren, ist diese Methode sogar gut, denn fange ich an zu schwitzen, kann ich eine Schicht ausziehen." Wer allerdings Sport betreibt, sollte lieber auf atmungsaktive Kleidung, die den Schweiß ableitet, setzen. "Trägt man mehrere Baumwollpullover übereinander, dann bleibt der Schweiß quasi in der Zwiebel stecken und sorgt dafür, dass der Körper schneller auskühlt."
Zusätzlich sollte natürlich zu Handschuhen, aber auch gutem Schuhwerk mit dicken Sohlen gegriffen werden. "Die meiste Wärmeenergie verliert man über die Fußsohlen und nicht über den Kopf, das ist ein Irrglaube", klärt Hohenauer auf. Die Haube auf dem Kopf diene ihm zufolge lediglich dem thermalen Komfort. Ein Stirnband, um die Ohren warmzuhalten, würde genauso ausreichen.
"Viel wichtiger als eine Kappe ist hingegen der Schutz der Atemwege, denn kalte Luft reizt die Atemwege, trocknet die Schleimhäute aus und verengt die Bronchien. Das zeigt sich durch eine gefühlt verklebte Nase, Husten und das Gefühl schlechter Luft zu bekommen", so der Kälteforscher. "Deshalb ist es besonders wichtig, nicht durch den Mund zu atmen, sondern durch die Nase und am besten noch einen Schal oder eine Maske vor dem Gesicht zu tragen." Dadurch werde die Luft vor dem Einatmen vorgewärmt.
Das sei auch deshalb wichtig, weil trockene, gereizte Schleimhäute ein schwächeres Abwehrschild gegen Viren und Bakterien sind, was Infektionen begünstigt.
Natürlich wärmt auch die Bewegung. Doch hier ist Vorsicht und Differenzierung geboten. Wer sich draußen aufhält und die Kälte spürt, kann den Körper durch ein paar Schritte wieder aufwärmen. Anderes gilt für intensive Bewegung. "Bei Minusgraden sollte auf lange und intensive Sportarten verzichtet werden. Radfahren und leichtes Joggen sollte hingegen bis minus 5 Grad bedenkenlos möglich sein. Ab minus 10 Grad sollte man ganz davon absehen."