Bedrohungen nicht zu Ende

Hochseevertrag – Was das Ozean-Abkommen wirklich bringt

Der neue Hochseevertrag läutet eine "neue Ära der globalen Meerespolitik" ein, doch Experten warnen: Irreversible Schäden sind weiter möglich.
Bernd Watzka
19.01.2026, 11:16
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Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist er nun offiziell in Kraft: Der neue Hochseevertrag gilt als "historischer Meilenstein" im Kampf für den Schutz der Meere. Er betrifft die Hohe See - jene riesigen Gewässer jenseits nationaler Grenzen, die fast die Hälfte der Erdoberfläche ausmachen.

Schutz der Biodiversität im Meer

Lange war dieser Teil des Ozeans rechtlich ein Niemandsland. Kein globales Regelwerk schrieb bisher vor, wie Biodiversität dort zu schützen oder die Nutzung gerecht zu regeln ist. Damit ist jetzt Schluss. Künftig dürfen Staaten auf der Hohen See ein weltweites Netz von Schutzgebieten schaffen - auch gegen den Willen einzelner Länder.

Künftig mehr Umweltprüfungen

Entwicklungsländer sollen dabei unterstützt werden, eigene Schutzgebiete umzusetzen, zu überwachen und zu verwalten. Auch neue Vorhaben, die dem Meeresboden schaden könnten, müssen nun einer Umweltprüfung unterzogen und öffentlich gemacht werden.

"Das ist eine der ambitioniertesten Meeresinitiativen der Welt", sagt Jason Knauf vom Earthshot Prize. Es sei ein Signal für ein Umdenken in der Ozeanpolitik und ein klares Bekenntnis zum Schutz der marinen Vielfalt. 145 Länder haben den Vertrag bereits unterzeichnet, darunter auch Österreich.

Freude auch in Österreich

Der WWF Österreich sieht eine "historische Chance" für den weltweiten Meeresschutz. Der Vertrag regelt erstmals den Schutz und die Bewirtschaftung von rund zwei Dritteln der globalen Meeresfläche - das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Erdoberfläche.

"Verschmutzung, Überfischung und der Klimawandel haben den Zustand unserer Meere dramatisch verschlechtert. Die neuen Regeln zu ihrem Schutz geben Hoffnung auf eine Trendwende - für den Erhalt der wichtigen Ökosysteme und damit auch unserer Lebensgrundlagen", sagt WWF-Meeresexperte Georg Scattolin.

Plastik und Tiefseebergbau

Trotz aller Euphorie bleiben Zweifel. Denn zerstörerische Fischerei, Plastikmüll, Tiefseebergbau und die Versauerung der Meere bedrohen die fragile Unterwasserwelt weiterhin massiv. Laut Expertin Sofia Tsenikli von der Deep Sea Conservation Coalition könne der Vertrag zwar viel bewegen - den Abbau seltener Erden in der Tiefsee aber nicht verhindern.

Auch nationale Gewässer schützen

Kritik kommt auch von Meeresbiologe Enric Sala: Es reiche nicht, nur die Hohe See zu schützen - auch nationale Gewässer müssten streng kontrolliert werden, da dort der Großteil der Fischerei stattfinde. Schutzgebiete hätten nur dann Wirkung, wenn sie konsequent überwacht werden, so Sala.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 19.01.2026, 12:28, 19.01.2026, 11:16
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