So kalt war’s schon lange nicht mehr: In der Nacht auf Montag wurde im oberösterreichischen Liebenau-Gugu mit minus 29 Grad der bisherige Tiefstwert dieses Winters gemessen. Auch in Schwarzau am Freiwald (-28,4 Grad) und Buchers bei Karlstift (-26,3 Grad) war es eisig wie am Nordpol.
Doch was steckt dahinter? Laut Meteorologe Marco Kopecky von der Geosphere Austria sind sogenannte "Kaltluftseen" verantwortlich. Die entstehen in klaren, windstillen Nächten mit frischem Schnee - vorwiegend in hügeligem Gelände wie dem Mühl- und Waldviertel, so der Experte in der "Zeit im Bild".
In hügeligen Gebieten könne "die Luft optimal auskühlen und fließt dann in die Talsenken", erklärt Kopecky. Dort sammelt sich die Kaltluft und bildet eine Art unsichtbaren "Kälte-See". Der Neuschnee verstärkt den Effekt zusätzlich, da er Wärme direkt in die Atmosphäre abstrahlt.
Interessant: Kaltluftseen entstehen häufiger im Mittelgebirge als in den Alpen. "Hohe Berge behindern den Wärmeverlust, hügelige Landschaften geben ihn frei", so Kopecky. Doch das Phänomen ist kurzlebig: Sobald Wolken aufziehen oder die Sonne aufgeht, löst sich der "Kaltluftsee" wieder auf. Meist ist gegen 3 Uhr morgens der Tiefpunkt erreicht.
Spannend ist auch: Die jetzt gemessenen Rekorde sind nur bedingt mit früheren vergleichbar. Denn die Messstationen in Liebenau-Gugu und Schwarzau stehen erst seit zwei Jahren. Dass es dort früher ähnlich kalt war, gilt als wahrscheinlich - bloß gemessen wurde es nicht.
Theoretisch ging noch mehr - oder genauer gesagt, weniger: "Wenn wir jetzt noch kontinentale Luftmassen aus Sibirien bekommen würden, dann wäre das Potenzial für deutlich tiefere Temperaturen in Richtung minus 40 oder minus 50 Grad da", so der Meteorologe im ORF.