Was früher nur in den Tropen vorkam, krabbelt und fliegt jetzt auch bei uns herum: Immer mehr invasive Tierarten breiten sich in Österreich aus. Diese Eindringlinge gehören laut Forschern zu den Hauptursachen des weltweiten Artensterbens. Sie bringen neue Krankheiten, setzen Wildtiere unter Druck und gefährden sogar Haustiere. Der Grund? Der Klimawandel - und der Mensch.
Beispiele gibt es viele: Die Asiatische Tigermücke hat sich in Wien und Graz bereits eingenistet. Sie kann tropische Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya übertragen. Die Asiatische Hornisse, 2024 erstmals in Salzburg gesichtet, jagt gezielt Honigbienen - eine Horrorvorstellung für Imker.
"Invasive Arten bedeuten selten etwas Gutes", warnt Biologe Kurt Kotrschal. Auch Ökologe und Wissenschaftler des Jahres 2022, Franz Essl, sieht Handlungsbedarf: "Die Ausbreitung neuer Arten hat stark zugenommen - und bringt unsere heimische Natur unter Druck."
Aktuell macht auch eine Riesenzecke Schlagzeilen, die vermutlich mit Zugvögeln oder Autos eingeschleppt wurde. Sie kann - wie heimische Zecken - gefährliche Krankheiten übertragen. Noch problematischer: Ein Killer-Plattwurm aus Südamerika, der heuer erstmals in Niederösterreich auftauchte. Er frisst Regenwürmer, Schnecken und Insekten - und gefährdet damit wichtige Bodenprozesse.
Der Amerikanische Signalkrebs, ebenfalls eingeschleppt, verdrängt heimische Krebse und bringt die tödliche Krebspest mit. Und dann ist da noch die Nosferatu-Spinne: groß, dunkel, blitzschnell - für Menschen harmlos, aber ein Symbol für die neuen Klimabedingungen.
Der österreichische Tierschutzverein fordert nun eine landesweite Erfassung neuer Arten, verstärkte Aufklärung der Bevölkerung, Schutzprogramme für heimische Tiere, eine aktive Klimapolitik sowie mehr Monitoring. Die gute Nachricht dabei: Jeder kann helfen.
Sichtungen von Hornissen, Waschbären & Co. sollen dokumentiert und auf Plattformen wie iNaturalist gemeldet werden. Denn klar ist: Ob Spinne, Zecke oder Plattwurm - die neuen Nachbarn sind gekommen, um zu bleiben. Jetzt heißt’s: beobachten, verstehen, schützen.