Die italienische Journalistin Cecilia Sala (30) musste zwei Wochen in einem iranischen Gefängnis verbringen. Jetzt spricht sie erstmals über die Erlebnisse.
Sala war am 19. Dezember in Teheran festgenommen worden – einen Tag, bevor sie von einer Recherchereise wieder nach Hause fliegen wollte. Sie hatte auch ein reguläres Arbeitsvisum für Journalisten. Die iranischen Behörden warfen der erfahrenen Reporterin vor, gegen Mediengesetze der Islamischen Republik verstoßen zu haben.
Danach befand sie sich zwei Wochen lang im berüchtigten Evin-Gefängnis der iranischen Hauptstadt. Sala arbeitet für die Tageszeitung "Il Foglio" und betreibt zudem einen bekannten Podcast und berichtet über den Nahostkonflikt. Warum Sala überhaupt inhaftiert wurde, ist nicht klar.
Schon vor ihrer Festnahme habe sie das Gefühl gehabt, dass etwas nicht stimme, sagt sie im Interview mit "Corriere della Sera". Mehrmals habe jemand an ihre Tür geklopft. "Als ich die Tür öffnete, verstand ich sofort, was sie mit mir vorhatten. Sie nahmen mir mein Geld, meinen Pass und mein Mobiltelefon ab. Sie zogen mir eine Kapuze über und brachten mich weg. Ich habe das Schrecklichste begriffen."
Sie habe gewusst, dass sie keine Macht mehr über ihr eigenes Schicksal habe und dass sie nichts mehr tun konnte, außer zu hoffen, dass Italien sich für sie einsetzen würde. Im Gefängnis sei sie ausgezogen worden und musste nackt in die Hocke gehen. Manchmal, wenn Türen zu Verhörzellen geöffnet worden seien, habe sie die Schreie von Männern und Frauen gehört, die gefoltert wurden.
"Mir ist das nicht passiert", sagt sie. "Aber an der Wand meiner Zelle war ein großer Blutfleck." In ihrer Zelle habe sie ihre Mitgefangene zwar nicht gesehen, aber gehört. Immer wieder habe sie gehört, wie die Frau versuchte, Suizid zu begehen.
Abgesehen vom Blutfleck habe es in ihrem Zimmer nur einen Eimer gegeben. Zudem seien ihr ihre Brille und Kontaktlinsen weggenommen worden. "Ohne Linsen sehe ich wirklich schlecht", sagt sie. Das Licht sei nie ausgeschaltet worden und sie habe nicht gewusst, wie die Zeit vergeht. "Alles ist darauf ausgerichtet, dich zu brechen und das zu bekommen, was sie von dir wollen. Ein Zustand, der dich in den Wahnsinn treiben soll, der dich auf die schlimmsten Gedanken bringt und an allem zweifeln lässt."
Als sie im Interview nach ihrer schlimmsten Erinnerung gefragt wird, berichtet Sala davon, dass sie mit verbundenen Augen aus ihrer Zelle geführt und zu einem Ort gebracht wurde. Dort hätten ihr die Wärter die Augenbinde abgenommen, um ihr einen Kran zu zeigen. "Das machen wir mit Spionen", hätten sie gesagt. Sala sagt, dass ihr natürlich bewusst gewesen sei, dass Spione erhängt würden, aber der Anblick des Krans sei sehr schwer zu ertragen gewesen.
In dem Moment habe Sala eine Panikattacke gehabt. "Ich habe zugestimmt, mich betäuben zu lassen, obwohl ich mir geschworen hatte, das niemals zu tun", erzählt sie.
Ein Moment, der sie ebenfalls sehr geprägt hatte, war die Begegnung mit einer Katze, sagt die Journalistin: "Als ich mit verbundenen Augen und Kapuze über den Hof ging, spürte ich diese kleine Katze an meinen Knöcheln, miauend, schnurrend, kuschelnd. Die Vibration dieses nicht bedrohlichen kleinen Körpers war ein sehr angenehmes Gefühl."
Sie habe die Katze kurz gesehen: "Sie war gelbbraun, fast rot." Als sie die Wärter gefragt habe, ob sie die Katze in ihrer Zelle haben könnte, hätten diese ihr ins Gesicht gelacht, aber nun hat Sala bei sich zu Hause eine rote Katze. Ob sie je in den Iran zurückkehren werde? "Meine Prognose ist, dass ich zurückkehren werde. Aber nicht jetzt", so die Journalistin.