Mordversuch in NÖ

Home Invasion! Killer fasste bereits 18 Jahre Haft aus

In St. Pölten standen am Mittwoch drei brandgefährliche Männer vor Gericht. Zu einer brutalen Home Invasion kamen auch Schüsse auf die Polizei.
Erich Wessely
25.02.2026, 12:57
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Am Landesgericht St. Pölten mussten am Mittwoch drei brandgefährliche Männer auf die Anklagebank.

Nach abgeschlossener Ermittlungsarbeit war die Polizei vergangene Woche mit Details zu dem spektakulären Fall vom 5. September 2025 an die Öffentlichkeit gegangen: Demnach drangen damals drei maskierte Männer gegen 6.50 Uhr in ein Wohnhaus in Amstetten (NÖ) ein. Die Täter, bewaffnet mit einer Faustfeuerwaffe und einer Eisenstange, überraschten die 74-jährige Bewohnerin. Sie bedrohten die Frau, drückten sie zu Boden und verlangten Bargeld. Die wehrlose Frau wurde dann mit Kabelbindern gefesselt. Die Männer durchsuchten die Räume nach Geld und Schmuck. Doch da läutete ein Paketbote und die Räuber flüchteten.

Bei der folgenden Großfahndung stießen Beamte auf zwei Verdächtige. Ein 59-jähriger Kosovare eröffnete ohne zu zögern das Feuer auf die Polizisten. Er soll drei Mal auf zwei Beamte gefeuert haben. Ihm wird vor Gericht der Mordversuch angelastet.

Sicherheitsmann in Spielsalon erschossen

Der Killer, der bereits wegen des Mordes an einem Security in der Schweiz 18 Jahre hinter Gittern saß, wurde ebenso wie ein 55-jähriger Albaner festgenommen und ein versteckter Fluchtwagen entdeckt. Der dritte Verdächtige, ein 49-jähriger Kosovare, wurde später im nahen Aschbach geschnappt.

Alle drei sitzen seit der Festnahme in der Justizanstalt in St. Pölten – am Mittwoch ging nun der Prozess in St. Pölten über die Bühne.

Beim Prozess bestritt das Trio laut den Verteidigern die Vorwürfe des Mordversuchs und des schweren Raubs. Der Staatsanwalt sprach zu Beginn der Geschworenenverhandlung von einem "geplanten, skrupellosen Gewaltverbrechen" der beiden Kosovaren im Alter von 50 und 59 Jahren und des 55-jährigen Albaners. Der seit 2007 in Österreich lebende 50-Jährige gab in seiner Befragung zu, mutmaßlich vermögende Opfer vorgeschlagen zu haben. Die zwei Älteren waren laut Anklage im Sommer 2025 aus dem Ausland eingereist, um das Haus auszukundschaften. Gerechnet worden sein dürfte mit 1,5 Millionen Euro Beute.

Spediteur "verhinderte Schlimmeres"

Die drei Männer sollen am 5. September 2025 die 74-Jährige in ihrem Haus überfallen haben. Kurz nachdem der Ehemann der Frau gegen 7.00 Uhr mit dem Hund das Haus verlassen hatte, drang das maskierte Trio ein und durchsuchte die Räume nach Wertgegenständen. Laut Anklage wurde die Pensionistin zu Boden gedrückt und mit einem Brecheisen sowie einer Schusswaffe bedroht. Als die Täter versuchten, die Frau mit Kabelbindern zu fesseln, klingelte ein Spediteur – was laut Staatsanwalt "Schlimmeres verhinderte". Die Verdächtigen flüchteten schließlich mit nur wenig Bargeld.

Im Zuge der Fahndung entdeckten Polizisten zwei der Männer gegen 8.00 Uhr auf einer Wiese beziehungsweise einem Acker. Der 55- und der 59-Jährige liefen davon. Der Ältere soll sich nahe einer Böschung positioniert und aus rund zwölf Metern Entfernung drei gezielte Schüsse auf zwei Beamte abgegeben haben. Ein Polizist feuerte einmal zurück. Verletzt wurde niemand. Die beiden Männer wurden festgenommen, das Fluchtfahrzeug in einem Waldstück sichergestellt. Der dritte Verdächtige (50) wurde drei Tage später in Aschbach-Markt gefasst.

"Schüsse in die Luft"

Vor Gericht erklärten die Verteidiger, geplant sei lediglich ein Einbruchsdiebstahl gewesen. Der 59-Jährige habe mit den Schüssen die Beamten nur ablenken und eine Festnahme verhindern wollen, nicht jedoch jemanden verletzen oder töten. Der 50-Jährige habe nichts von einer Waffe gewusst. Der 59-Jährige verweigerte im Prozess die Aussage, hatte zuvor jedoch von "Schüssen in die Luft" gesprochen. Laut Gutachten betrug der Schusswinkel allerdings 24 Grad, ein Projektil schlug in Kopfhöhe eines Polizisten in einen Baum ein. Der 55-Jährige betonte, er habe keine Gewalt anwenden wollen.

Mehrere Wohnhauseinbrüche

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio schweren Raub vor. Gegen den 59-Jährigen stehen zusätzlich Mordversuch, versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie unbefugter Waffenbesitz im Raum. Zudem sollen die drei Männer für mehrere Wohnhauseinbrüche in den Bezirken Melk und Amstetten im Juli und August 2025 verantwortlich sein. Die Ermittlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen.

59-Jähriger einschlägig vorbestraft

Brisant: Der 59-Jährige ist einschlägig vorbestraft. Laut Exekutive verübte er 1999 in einem Spielsalon im Kanton Bern einen Raubmord und erschoss einen Sicherheitsmann. Nach seiner Festnahme in Italien wurde er in der Schweiz zu 18 Jahren Haft verurteilt. 2022 wurde er entlassen und in den Kosovo abgeschoben, wie im Prozess bekannt wurde. Am frühen Mittwochnachmittag war der Prozess noch im Gange. Ein Urteil dürfte es am Mittwoch aber noch nicht geben, eine Vertagung stand im Raum. Es gilt die Unschuldsvermutung.

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 25.02.2026, 14:51, 25.02.2026, 12:57
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