Eine gewaltige Eis- und Gerölllawine dürfte hinter der verheerenden Katastrophe im Himalaya-Gebiet stecken. Nachdem zunächst ein Erdbeben als möglicher Auslöser galt, haben weitere Untersuchungen nun ein anderes Bild ergeben.
Die Sturzflut traf am Mittwoch die Grenzregion zwischen Nepal und Tibet mit enormer Wucht. Mindestens 165 Menschen kamen ums Leben. Mehr als 1.500 Personen werden nach Behördenangaben in Nepal und China vermisst. Ob sich unter den Betroffenen auch Österreicher befinden, war bisher nicht bekannt.
Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet zeigen, wie die Wassermassen Häuser mitreißen und Gebäude im Schlamm versinken. Mehrere wichtige Straßenverbindungen sind blockiert. Die nepalesische Armee sucht mit Hubschraubern und Rettungsmannschaften nach Überlebenden.
Besonders groß ist die Sorge um zahlreiche nepalesische und ausländische Touristen. Die betroffene Gebirgsregion zwischen Zentralnepal und dem Südwesten Tibets ist ein beliebtes Wandergebiet. Allein Australien meldete 34 vermisste Staatsbürger.
Auch China schickte weitere Einsatzkräfte in die Region. Laut chinesischem Staatsfernsehen landete ein Flugzeug mit 111 Feuerwehr-Experten aus Sichuan und Peking am Flughafen von Tingri. Von dort müssen die Helfer noch fünf bis sechs Stunden mit Fahrzeugen bis zum überfluteten Grenzübergang Gyirong zurücklegen.
Neue Erkenntnisse gibt es inzwischen zur Ursache der Katastrophe. Die US-Erdbebenwarte USGS geht von einem Gletscherabbruch aus. Zunächst hatten die Experten angenommen, dass ein Erdbeben hinter der gemessenen seismischen Aktivität stecken könnte.
Am Mittwochmorgen meldete die USGS zunächst ein Beben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China. Einen Tag später wurde diese Einschätzung korrigiert.
In der Region habe sich am Mittwoch um 8.37 Uhr Ortszeit "ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 ereignet". Weitere Untersuchungen zeigten laut USGS, dass kein Erdbeben die Erschütterungen verursacht hatte. Stattdessen sei ein Gletscher abgebrochen und eine Eis- und Gerölllawine mit "katastrophalen Folgen" abgegangen.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (Icimod) in Kathmandu. Nach dessen Einschätzung blockierte die Eis- und Gerölllawine zunächst den Fluss Lhende. In weiterer Folge wurde die gewaltige Flutwelle freigesetzt.
Während die Suche nach den Vermissten weiterläuft, kündigten die USA Unterstützung für die Betroffenen an. Insgesamt sollen 500.000 US-Dollar, umgerechnet rund 430.000 Euro, für die Katastrophenhilfe bereitgestellt werden.
Mit dem Geld sollen unter anderem Notunterkünfte, Trinkwasser und weitere Hilfsgüter finanziert werden. Zusätzlich wurde ein Berater für Katastrophenhilfe in die Region geschickt.
"Die Vereinigten Staaten sprechen den Familien und Angehörigen derjenigen, die bei den verheerenden Sturzfluten im nepalesischen Bezirk Rasuwa ihr Leben verloren haben, ihr tiefstes Beileid aus", erklärte das US-Außenministerium.