Ukraine

Hotdogs, Häf'n, Söldnerboss – das war Prigoschins Leben

Jewgeni Prigoschins Weg an die Macht gilt als außergewöhnlich. Nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass er als Hotdog-Verkäufer angefangen hat.

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    Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
    Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
    REUTERS

    Ein privates Embraer-Legacy-Flugzeug mit zehn Menschen an Bord stürzte am Mittwochabend in der russischen Region Twer ab – mit an Bord soll der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, gewesen sein. Nach Angaben der russischen Staatsmedien ist die Maschine auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg gewesen, als sie in der Nähe des Dorfes Kuzhenkino abstürzte.

     Warum ist der Tod des 62-jährigen Prigoschin von Bedeutung? Ein Blick in seinen Lebenslauf:

    Kindheit

    Jewgeni Prigoschin wurde 1961 in St. Petersburg geboren. Sein Vater starb, als er noch klein war, seine Mutter arbeitete in einem Spital. Sie schickte ihren Sohn auf eine Sportschule, wo er oft stundenlang Skilanglauf betrieb.

    Die jungen Jahre im Knast

    Zwischen 20 und 30 Jahren verbrachte er neun Jahre im Gefängnis wegen Raubes und Betrugs. Unter den vielen Straftaten, die er verbüßte, ist eine der schlimmsten wohl der Überfall auf eine Frau im Mai 1980. Der damals 18-jährige Prigoschin packte sein Opfer am Hals und drückte zu, bis die Frau das Bewusstsein verlor. Prigoschin nahm ihr die goldenen Ohrringe ab und ließ die Frau auf der Straße liegen.

    Hotdog-Verkäufer

    Nach seiner Haftentlassung eröffnete er in den 1990er-Jahren einen Hotdog-Stand in St. Petersburg. Die kleine Bude war ein Erfolg und schon bald eröffnete er unter anderem ein schwimmendes Restaurant, das später sogar Putins Lieblingsrestaurant wurde. Seine guten Beziehungen zur russischen Elite brachten Prigoschin lukrative Catering-Verträge für Schulen, Spitäler und die Armee ein.

    "Putins Koch"

    Es waren aber seine Aktivitäten außerhalb des Gastrobereichs, die ihm den Spitznamen "Putins Koch" einbrachten. Dazu gehörte die Internet Research Agency, die ein US-Geschworenengericht als "Trollfabrik" bezeichnete. Der Firma wurde unter anderem die russische Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen von 2016 vorgeworfen.

    Gründer der Söldner-Gruppe Wagner

    2014 gründete Prigoschin zusammen mit Dmitri Walerjewitsch Utkin das erste und größte staatlich gelenkte Unternehmen privater Militäraufträge: die Wagner-Gruppe. Das Unternehmen agiert in der Ukraine, wo es russische Truppen verstärkte, die die Krim annektierten, und prorussische Separatisten in der östlichen Donbass-Region unterstützte.

    Die Söldner waren überall dort tätig, wo Russland ein Interesse hat – darunter Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und Mali. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat die Wagner-Gruppe eine Schlüsselrolle bei der Einnahme mehrerer Städte im Osten gespielt.

    Rebellion gegen Moskau

    Prigoschin kritisierte beim Ukraine-Krieg immer wieder die fehlende Unterstützung aus Moskau, speziell durch Verteidigungsminister Sergei Schoigu und Generalstabschef Sergei Gerassimow. Ende Juni rief er seine Kämpfer zum Marsch auf Moskau auf, weil die russische Militärführung angeblich einen Angriff auf Wagner-Söldner befohlen hatte. Den Aufstand brach er rasch wieder ab und willigte ein, gemeinsam mit seinen Kämpfern nach Belarus ins Exil zu gehen.

    Viele Feinde

    Im Laufe der Jahre hat sich Jewgeni Prigoschin viele Feinde gemacht: frühere Geschäftspartner, die er betrogen hat, ranghohe Armeeangehörige, die er beleidigte – und Menschen innerhalb des Kreml, die befürchteten, dass er Ambitionen haben könnte, die politische Macht zu übernehmen.

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      Mittwochnachmittag meldete Russland den Absturz eines Privatjets nördlich Moskaus. Erste Fotos vom Absturzort in der Nähe des Dorfes Kujenkino in der Region Twer zeigen das brennende Wrack. 
      Mittwochnachmittag meldete Russland den Absturz eines Privatjets nördlich Moskaus. Erste Fotos vom Absturzort in der Nähe des Dorfes Kujenkino in der Region Twer zeigen das brennende Wrack.
      via REUTERS
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