Fake-Bewertungen im Internet werden für Wiener Hotels zunehmend zum Problem. Die Branche begrüßt zwar den neuen Leitfaden des Tourismusministeriums samt Hotline für betroffene Betriebe – sieht darin aber nur einen ersten Schritt. Denn immer wieder würden Gäste mit schlechten Bewertungen Druck machen, um etwa Geld zurückzubekommen.
Das Tourismusministerium will Betrieben aus Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft mit einer neuen Broschüre den Umgang mit gefälschten Bewertungen erleichtern. Betroffene können sich zudem an eine eigens eingerichtete Hotline wenden und sich zu möglichen Schritten beraten lassen.
Für Felix Neutatz, Fachgruppenobmann für Hotellerie in der Wiener Wirtschaftskammer, ist das dringend nötig. Er bezeichnet die Erpressung mit Fakebewertungen gegenüber ORF Wien als "ein sehr großes Problem".
Als Beispiel nennt Neutatz Fälle, in denen Gäste ein nicht stornierbares Zimmer buchen, anschließend nicht erscheinen und trotzdem ihr Geld zurückfordern. "Es gibt Erpressungsversuche von Gästen, die zum Beispiel ein Zimmer gebucht haben, das nicht stornierbar ist. Dann reist der Gast nicht an und möchte sein Geld haben, das ihm aber vertraglich nicht zusteht. Und hier gibt es auch oft die Androhung von schlechten Bewertungen", erzählt Neutatz im ORF-Interview.
Die Hotelbranche fordert deshalb strengere Regeln. Eine Klarnamenpflicht bei Bewertungen wäre aus Sicht von Neutatz wünschenswert. Ebenso sollte eine Rezension nur möglich sein, wenn die entsprechende Dienstleistung tatsächlich in Anspruch genommen wurde. Falsche Bewertungen müssten außerdem rasch entfernt werden.
Auch die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) sieht Handlungsbedarf. Vizepräsident Alexander Ipp fordert verbindliche gesetzliche Vorgaben für Bewertungsplattformen. Nötig seien "mehr Verifizierung, klare Haftungsregeln, Sanktionen und transparente Prüfmechanismen".
Denn der Schaden könne schnell entstehen: "Schon wenige manipulierte Bewertungen können da schon einem Betrieb schaden", sagt Ipp. Neutatz sieht Bewertungen für Hotels sogar "wie eine Art Währung". Beide verweisen deshalb auf Italien. Dort gelten seit Kurzem deutlich strengere Regeln für Online-Rezensionen.