Das Thermometer stieg am Freitag in Wien auf über 36 Grad – diese Hitze dürfte auch dem ein oder anderen Politiker zu Kopf gestiegen sein. Im Wiener Landtag gab es am frühen Nachmittag wilde Schreiduelle. Aber eigentlich begann es noch ganz entspannt.
Am Programm standen europapolitische Diskussionen, weswegen auch prominente Abgeordnete aus dem Europaparlament anwesend waren. Lena Schilling etwa lehnte kurz nach 14 Uhr noch lässig am Stuhl, als FPÖ-Wien-Klubobmann Maximilian Krauss ans Pult trat. Mit einem Lachen ergriff Schilling daraufhin die Flucht, ehe Krauss zum Rundumschlag gegen die "Einheitspartei" ausholte.
Er kritisierte insbesondere die gegenseitige "Zuschieberei" von europäischen "Topjobs" und russische Geldflüsse für "abgewählte" Politiker wie Karl Nehammer oder Alfred Gusenbauer. Die Neos bezeichnete Krauss als "Oligarchenpartei" Österreichs, zitierte Medienberichte, die Helmut Brandstätter zum "faulsten EU-Abgeordneten" ernannt hätten und erhob letztlich auch schwere Vorwürfe gegen dessen Gattin.
Es folgte ein Wasserfall an Zwischenrufen, wobei die Worte "Huach zua, klaner Bua" gefallen sind. Hätte das nicht ein Neos-Mann sondern ein FPÖ-Abgeordneter beispielsweise an Lena Schilling gerichtet, wären sofort Sexismus-Vorwürfe und Altersdiskriminierung im Raum gestanden, beanstandete Krauss – "und das zu Recht."
Vom Präsidenten gab es dafür übrigens nicht, wie gefordert, einen Ordnungsruf. Dort oben seien Zwischenrufe akustisch nicht hörbar. Sollte sich der Vorwurf durch das Protokoll bestätigen lassen, würde er aber entsprechende Maßnahmen setzen. Die Emotionen sollten die Abgeordneten jedenfalls etwas herunterfahren, so der Appell.