Die Wiener Rettungsorganisationen fürchten um ihr Budget. Berufsrettung Wien, Samariterbund, Johanniter, Rotes Kreuz, Malteser und Sozialmedizinischer Dienst (SMD) warnen gemeinsam vor den Folgen einer anhaltenden Unterfinanzierung durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK).
Schon seit Herbst laufen Verhandlungen über neue Tarife. Bei der bisher letzten Verhandlungsrunde am 3. Juni bot die ÖGK eine Erhöhung um 1,5 Prozent an. Ein weiterer Gesprächstermin steht derzeit noch nicht fest.
Nach Ansicht der Rettungsorganisationen reicht dieses Angebot bei Weitem nicht aus. Die Erhöhung liege deutlich unter der Inflation und decke weder die gestiegenen Kosten für Treibstoff, Medikamente und Medizinprodukte noch notwendige Gehaltserhöhungen. Gleichzeitig seien die Kassentarife bereits seit Jahren nicht kostendeckend.
Während die Berufsrettung Wien fehlende Mittel über Steuergeld der Stadt ausgleicht, finanzieren private Organisationen einen Teil ihrer Leistungen über Spenden und ehrenamtliches Engagement.
Bleibt es bei der bisherigen Finanzierung, sehen die Organisationen die Qualität der Versorgung gefährdet. Besonders bei weniger dringenden Notfällen könnte es künftig zu längeren Wartezeiten kommen. "Wir können ein hochqualitatives System nicht dauerhaft mit zu niedrigen Tarifen aufrechterhalten. Die Unterfinanzierung gefährdet das gesamte System", warnt Oliver Löhlein, Geschäftsführer des Samariterbundes Wien.
"Wien hat ein sehr gutes Netz und ein äußerst differenziertes System an rettungsdienstlicher Versorgung. Dieses wollen wir gemeinsam mit den privaten Rettungsorganisationen als Partner für die Bevölkerung aufrechterhalten", so der Leiter der Berufsrettung Wien, Rainer Gottwald. "Wir setzen dabei auf Qualität: Unsere Mitarbeiter haben österreichweit die beste Ausbildung und dieses Wissen setzen wir auch ein. Wir bieten die passende, bestmögliche rettungsmedizinische Versorgung bei Notfällen."
"Es kann nicht sein, dass wir mit Spendengeldern Kosten finanzieren, die eigentlich durch die Tarife gedeckt sein müssten. Die zu niedrige Tarifabdeckung gefährdet alle Rettungsorganisationen. Was wir privat mittragen müssen, wächst von Jahr zu Jahr und gefährdet die Versorgung", so Johanniter-Geschäftsführer Michael Strambach-Weissgärber.
Alexander Preyer, Landesgeschäftsleiter des Wiener Roten Kreuzes, fordert ebenfalls eine Anpassung. "Aus Liebe zum Menschen - wir schaffen unter anderem mit Freiwilligen einen Mehrwert und bringen viel Leistung in das System ein. Gerade deshalb ist es uns wichtig, dass es zu fairen Anpassungen kommt und zumindest die Preissteigerungen, die wir haben, abgegolten werden."
"Die Malteser beweisen täglich, was ehrenamtliches Engagement leisten kann: unentgeltlich, aber nicht umsonst. Eine starke Gesundheitsversorgung braucht starke Rettungsorganisationen - und dafür eine Finanzierung, die mit der Realität Schritt hält", so Johann Philipp Spiegelfeld, Kommandant des Malteser Hospitaldienstes.
Anton More, Geschäftsführer des Sozialmedizinischen Dienstes, fordert eine bessere Finanzierung: "Damit wir unsere Leistungen auch künftig in gewohnter Qualität erbringen können, braucht es eine auskömmliche und zeitgemäße Finanzierung. Die seit Jahren steigenden Kosten stehen Tarifen gegenüber, die mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Hier sehen wir Handlungsbedarf."
Die sechs Wiener Rettungsorganisationen betonen, dass sie an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit sind. Im vergangenen Jahr rückten ihre Teams insgesamt 326.000 Mal zu Notfällen aus. Die gemeinsame Forderung an die ÖGK lautet daher, die Verhandlungen rasch fortzusetzen und die tatsächlichen Kosten künftig fair abzugelten.