Eigentlich hätte Hubert Aiwanger am Mittwoch in Berlin vor Parteikollegen sprechen sollen. Doch der 55-Jährige sagte seinen Auftritt bei der Eröffnung des Hauptstadtbüros der Freien Wähler kurzfristig ab. Er fühlte sich offenbar nicht wohl und blieb in seinem Hotelzimmer. Wenige Stunden später war der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident tot.
Der 55-Jährige hielt sich im Hotel "Neuer Fritz" an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte auf. Nach Informationen der deutschen "Bild" war bei Mitarbeitern von einem möglichen Infekt die Rede. Aus der CSU-Bundestagsfraktion hieß es demnach, Aiwanger habe unter Magen-Darm-Beschwerden gelitten.
Als Vertraute versuchten, den Politiker zu kontaktieren, blieb eine Antwort aus. Am frühen Mittwochabend wurde er schließlich leblos in seinem Zimmer im dritten Stock entdeckt. Wer den 55-Jährigen fand, ist noch nicht bekannt.
Nach dem Fund rückten Polizei und Gerichtsmedizin im Hotel an. Die Ermittler sicherten Spuren, während Gäste das Gebäude vorerst nicht verlassen durften. Noch ist unklar, woran Aiwanger gestorben ist. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete gemeinsam mit der Mordkommission ein Todesermittlungsverfahren ein.
Michael Petzold, Sprecher der Staatsanwaltschaft, erklärte gegenüber "Bild": "Es liegt noch kein Anfangsverdacht einer Straftat vor. Ausgeschlossen werden kann soweit nichts." Äußerliche Verletzungen wurden nach Informationen der Zeitung nicht festgestellt. Auch über die Umstände, unter denen der Politiker entdeckt wurde, halten sich die Ermittler bedeckt.
"Die konkrete Auffindesituation kann aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht preisgegeben werden", so Petzold. Die Spurensicherung dauerte noch mehrere Stunden. Erst spät in der Nacht wurde der Leichnam von der Berliner Gerichtsmedizin abtransportiert. Zuvor soll sich laut "Bild" auch ein Pfarrer im Hotelzimmer aufgehalten haben.
Die Angehörigen wurden von der Polizei über den Tod informiert. Aiwanger lebte mit der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (48) zusammen. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne, verheiratet waren die beiden nicht.
Der am 26. Jänner 1971 in Ergoldsbach geborene Politiker wuchs auf einem Bauernhof in Niederbayern auf und studierte Agrarwissenschaften an der Fachhochschule Weihenstephan. Seit 2006 stand er an der Spitze der Freien Wähler in Bayern, vier Jahre später übernahm er auch den Bundesvorsitz. Bereits 2008 war er in den bayerischen Landtag eingezogen.
Nach der Landtagswahl 2018 wurde Aiwanger Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Bayerns. Der konservative Politiker machte sich unter anderem als deutlicher Kritiker von Entscheidungen der Europäischen Union einen Namen.
Nun steht die Politik vor dem plötzlichen Verlust eines ihrer bekanntesten Vertreter. Warum der 55-Jährige in seinem Berliner Hotelzimmer starb, müssen die weiteren Ermittlungen klären.