Ein Air-Serbia-Flug von Belgrad nach Moskau musste mitten in der Luft umkehren. Grund waren zusätzliche Sicherheitskontrollen bei einem Passagier – im Mittelpunkt steht ein ehemaliger serbischer Spitzenpolitiker.
Wie der Pilot den Reisenden erklärte, seien bei einem Passagier weitere Sicherheitsüberprüfungen notwendig gewesen. Gegen 22 Uhr setzte der Airbus A320 wieder am Flughafen Belgrad auf.
Die Fluggesellschaft Air Serbia bestätigte die außerplanmäßige Rückkehr. Die Entscheidung sei auf Grundlage von Informationen der zuständigen Behörden getroffen worden.
Hinter dem Vorfall könnte der frühere serbische Minister Aleksandar Vulin stecken. Laut Berichten mehrerer Medien soll der Politiker vor dem Abflug die vorgeschriebene Sicherheitskontrolle umgangen haben.
Das serbische Nachrichtenportal Nova berichtet, dass ihm dabei eine andere Person geholfen haben soll. Demnach entdeckte der Sicherheitsverantwortliche des Flughafens den mutmaßlichen Verstoß auf Aufnahmen der Überwachungskameras und veranlasste die Rückkehr des Flugzeugs.
Offiziell bestätigt ist diese Darstellung allerdings nicht. Air Serbia machte weder Angaben zur Identität des betroffenen Passagiers noch zu den konkreten Sicherheitsbedenken.
Vulin bestätigte selbst, dass er an Bord der Maschine gewesen war. Von der Umkehr habe er zunächst nichts bemerkt, weil er während des Fluges geschlafen habe.
Erst nach dem Aufwachen sei ihm klar geworden, dass sich das Flugzeug wieder in Belgrad befand. Dort hätten bereits Polizisten auf die Passagiere gewartet. Vulin habe die Beamten daraufhin gefragt: "Kollegen, seid ihr etwa meinetwegen hier?"
Nach eigenen Angaben verließ er die Maschine gemeinsam mit den anderen Reisenden und durchlief erneut die Sicherheitskontrolle. Verbotene Gegenstände seien dabei nicht entdeckt worden, erklärte der Ex-Minister.
Vulin wollte nach eigenen Angaben nicht aus privaten Gründen nach Russland reisen. Gegenüber dem serbischen Medium Informer erklärte er, dass er in Moskau über eine Verlängerung des Gasabkommens zwischen Serbien und Russland sprechen wollte.
Der 54-Jährige ist Aufsichtsratsvorsitzender des staatlichen Gasunternehmens Srbijagas. Zuvor hatte er in Serbien mehrere hochrangige politische Funktionen inne, darunter jene des Verteidigungsministers, Innenministers, Geheimdienstchefs und stellvertretenden Ministerpräsidenten. Im Jahr 2023 verhängten die USA Sanktionen gegen ihn. Vulin gilt als russlandnah.
Air Serbia stellte nach dem Zwischenfall klar, dass die Sicherheitskontrollen von Fluggästen und Gepäck in den Zuständigkeitsbereich der Flughafensicherheitsdienste fallen. Die Besatzung sei für die Überprüfung der Passagiere vor dem Einsteigen nicht verantwortlich und habe sämtliche geltenden Vorschriften eingehalten.
Laut Flugverfolgungsportalen konnte der Airbus A320 seine Reise wenige Stunden nach der Rückkehr nach Belgrad fortsetzen und erneut in Richtung Moskau starten.