"Illegale Partys und wir dürfen nicht aufmachen"

Für die Nachtgastronomie heißt es weiter warten.
Für die Nachtgastronomie heißt es weiter warten.picturedesk.com
Die Nachtgastronomie fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen und kämpft weiterhin für eine Öffnung.

Am Mittwoch kündigte die Bundesregierung weitere Lockerungen an. So fällt etwa die Maskenpflicht in der Gastronomie, Sport ist ohne Abstand wieder möglich und auch für Veranstaltungen gelten neue Regeln, "Heute" berichtete.

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Für die Nachtgastronomie heißt es jedoch weiter warten. Wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober mitteilte, gab es wieder ein Gespräch mit Vertretern der Branche, für große Clubs und Discotheken wurde aber noch kein Öffnungskonzept beschlossen. Viele Lokale haben bereits zu Spenden aufgerufen.

Fall der Sperrstunde gefordert

Immer vehementer fordern Nachtgastronomen nun einen Aufsperrplan. Die Branche fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen, manch ein Unternehmer sogar "papierlt".

"Jeden Tag gibt es in ganz Österreich 'illegale' Partys und wir dürfen nicht aufmachen", kritisiert der Sprecher des Verbands der österreichischen Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger gegenüber der APA. "Auch ein Partytourismus startet bereits - etwa in die Slowakei. Dort darf bis 4 Uhr früh offen sein, in der Schweiz bis 6 Uhr."

Gestaffelte Öffnung?

Clubbesitzer fordern daher den sofortigen Fall der Sperrstunde und haben sich bereits Maßnahmen überlegt, wie die Öffnung aussehen könnte. Die jetzige Sperrstunde von 1 Uhr in der Früh sei "wirtschaftlich nicht darstellbar. Viele haben Betriebsstättengenehmigungen ab 22 Uhr", so Ratzenberger.

Sogar ein Kompromiss wäre denkbar. "Wir würden uns verpflichten, gestaffelt aufzusperren und ein Covid-19-Paket umzusetzen", so der Sprecher. Beispielsweise könnte man ab 1. August mit 50 Prozent der eigentlichen Gästehöchstzahl starten und bis 4 Uhr öffnen, ab 1. September auf 75 Prozent und bis 6 Uhr erhöhen und ab 1. Oktober könnte dann der Normalbetrieb beginnen.

Angabe von Mail-Adressen am Eingang

Auch könnten Discobetreiber am Eingang - auf freiwilliger Basis - E-Mail-Adressen der Gäste sammeln. "Wenn etwa die Hälfte der Gäste - auch mit anonymen E-Mail-Adressen, ohne Telefonnummern, Namen oder Wohndressen - darauf eingehen würde, könnte man gut informieren, falls etwas geschieht. Denn die Leute würden sich sicher auch untereinander weiter informieren", so der Nachtclub-Sprecher. Nach etwa drei Wochen (Inkubationszeit) würde diese Liste dann wieder gelöscht werden.

Dazu würde man "Coronabeauftragte" in den Betrieben installieren, die auf die Hygienevorschriften für die Mitarbeiter achten und Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. "Mundschutz auf der Tanzfläche geht nicht. Da fallen uns die Leute um", erklärt Ratzenberger.

Paket mit Lösungen bis Ende nächster Woche

Wirtschaftlich bleibt die Situation für Nachtgastronomen äußerst schwierig. Fast 3.000 Bars, Diskotheken und Tanzlokale sind österreichweit von der Schließung betroffen. Neben den Betreibern sind noch viele weitere Jobs gefährdet: Barkeeper, DJs, Security, Reinigungskräfte, Garderobenpersonal sowie Licht- und Tontechnik. Das sind allein in Wien rund 24.000 Arbeitsplätze. Aus dem Ministerium hieß es nun, dass "bis Ende nächster Woche ein Paket mit Lösungsvorschlägen" erarbeitet wird.

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