Entsetzen im Rathaus der steirischen Hauptstadt – Gemeinderätin Barbara Sima-Ruml (Die Grünen) schaffte den Einzug ins Rathaus deutlich, doch die Freude wurde getrübt. Sima-Ruml sitzt im Rollstuhl und musste schockiert feststellen: Es gibt im Sitzungssaal keinen barrierefreien Platz für sie.
Zwar dachte man bei der 2022 abgeschlossenen Sanierung sehr wohl an die Barrierefreiheit im Gebäude, doch beim Platz für die Mandatare wurde darauf offensichtlich vergessen. Automatische Türen und eine Rampe zum Rednerpult gibt es, im Saal selbst findet sich aber kein Platz für Politikerinnen und Politiker im Rollstuhl.
Im Büro der Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) sei man sich des Problems bewusst – eine Begehung des Sitzungssaals mitsamt Bauleiter wurde bereits durchgeführt, wie es auf Anfrage der "Kleinen Zeitung" hieß.
Schnell wurde klar: Als der Umbau geplant wurde, wurde die Barrierefreiheit nicht gänzlich außer Acht gelassen. Die Voraussetzungen, um neben dem Eingang einen Lift oder eine Hebebühne zu installieren, seien sehr wohl gegeben – nur die Umsetzung würde noch fehlen. So können Gemeinderäte im Rollstuhl in die letzte Reihe hinter den Sitzen gelangen.
Für Sima-Ruml ist die Lösung alles andere als zufriedenstellend. Der Weg von ihrem Platz zum Rednerpult würde einerseits zu lange dauern, andererseits sei es für sie unverständlich, weshalb sie als Rollstuhlfahrerin hinter der letzten Reihe sitzen muss.
Die Reaktion aus dem Bürgermeisterbüro: Links neben dem Eingang könne man stattdessen Platz für die Mandatare schaffen. Hier hätte man ebenerdig Zugang – bisher fanden dort die Medienvertreterinnen und Medienvertreter Platz.
Das Problem bei dieser Idee: Die betroffenen Politiker wären abgeschnitten vom Rest der Mandatare. "Das geht sicher nicht. Nur damit es vielleicht billiger wird, setzen wir die Frau im Rollstuhl auf die Seite?! Nein", so Sima-Ruml in der "Kleinen Zeitung".
Für Sima-Ruml ist klar: Die beste Lösung wäre es, in der ersten Reihe links vorne einen Sessel ausbauen zu lassen, damit Platz für den Rollstuhl entsteht. Eine Frage, die hier zu klären sei: Inwiefern die Idee mit den Vorgaben zu den Fluchtwegen vereinbar ist. Das Bürgermeisterbüro gibt außerdem zu bedenken, dass der Denkmalschutz bei den Umbauarbeiten gewahrt werden musste.
Die Gemeinderätin kontert: "Ich kenne die Leute vom Denkmalamt und weiß, dass sie in Sachen Barrierefreiheit stets für Lösungen zu haben sind." Außerdem sei Sima-Ruml studierte Architektin, Sachverständige für barrierefreies Bauen und Lehrbeauftragte zu diesem Thema an der TU Graz.