Die gute Nachricht zum Beginn: Fast alle Lehrerinnen und Lehrer in Österreich erleben ein grundsätzlich positives Schulklima. 96 Prozent sagen, dass das Verhältnis zwischen Lehrpersonal und Kindern gut ist.
Trotzdem zeigen die Ergebnisse der neuen OECD-Studie TALIS 2024 auch eine deutliche Zunahme von Vandalismus, Gewalt, Unterrichtsstörungen und Mobbing.
„Die Belastung der Lehrer durch störendes Verhalten ist massiv gestiegen“OECD-Studie TALIS 2024
"Die Belastung der Lehrer durch störendes Verhalten ist massiv gestiegen – von 36 auf 50 Prozent", heißt es im Österreich-Bericht. Besonders Junglehrer mit weniger als fünf Jahren Erfahrung hätten laut OECD große Schwierigkeiten, in der Klasse für Disziplin zu sorgen. Die Autoren empfehlen deshalb eine gezieltere Unterstützung in der Ausbildung.
Laut den befragten Schulleitungen arbeiten neunProzent der Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, an denen regelmäßig Vandalismus oder Diebstähle vorkommen. DreiProzent berichten von ständigen gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Schülern, und bei zwei Prozent ist der Konsum von Alkohol oder Drogen durch Jugendliche ein Dauerthema.
Damit hat sich die Lage an den sogenannten "Problem-Schulen" in den letzten sechs Jahren deutlich verschärft – und das trotz aller Präventionsmaßnahmen.
➤Verhaltensauffällige Schüler (Mittelschule):
2024: 18 Prozent der Lehrer berichten, dass über 30 Prozent der Schüler auffällig sind
2018: 14 Prozent
➤Verhaltensauffällige Schüler (AHS):
2024: 6 Prozent
2018: 3 Prozent
➤Häufige Störungen im Unterricht:
2024: 29 Prozent der Lehrer sehen das als häufiges Problem
2018: 22 Prozent
➤Lehrer durch Disziplinprobleme belastet:
Besonders betroffen: Lehrer mit max. 5 Jahren Berufserfahrung
➤Wöchentliche Mobbingfälle laut Schulleitungen:
2024: 21 Prozent der Lehrer arbeiten an betroffenen Schulen
➤Cybermobbing:
Rund 20 Prozent der Schüler werden über längere Zeit im Internet schikaniert
➤Mehr Problemstandorte laut Direktionen:
Vandalismus/Diebstahl regelmäßig: 9 Prozent der Schulen (2024)
Gewalt unter Schülern: 3 Prozent (2024)
Drogen- oder Alkoholkonsum von Schülern: 2 Prozent (2024)
➤Lehrkräfte bestätigen gutes Klima:
96 Prozent sagen, das Verhältnis zu Schülern ist gut
90 Prozent geben an, dass sich Kinder bei Problemen an das Lehrpersonal wenden
"Wir brauchen gezielte Unterstützung für Lehrkräfte – besonders für jene, die neu im Beruf sind", lautet eine zentrale Empfehlung der Studienautoren.
Besonders betroffen von Mobbing sind laut Studie Schulen mit vielen Kindern aus finanziell benachteiligten Familien oder mit geringen Deutschkenntnissen. 39 Prozent der Lehrer gaben an, dass es an ihrem Standort ein Problem damit gibt. Internationale Vergleiche zeigen: Während etwa Südkorea und Kasachstan kaum Mobbing melden, sind Länder wie Belgien, Malta und Finnland stärker betroffen als Österreich.