Bald ist Muttertag, doch zahlreiche Mamas haben keinen Grund zum Feiern. Die anhaltende Teuerung sowie Kürzungen im Sozialbereich bedeuten für viele Alleinerzieherinnen existenzielle Sorgen.
Steigende Preise, hohe Mieten und zu wenig Unterstützung treiben immer mehr Mütter in die Armut. Die Zahlen sind dramatisch – rund 600.000 Frauen in Österreich gelten als armutsgefährdet, 121.000 leben bereits in massiver Not. Die Caritas fordert einmal mehr politische Maßnahmen.
"In unseren Mutter-Kind-Häusern erleben wir jeden Tag, wie stark die Belastung für Mütter und Kinder gestiegen ist. Auch viele ehemalige Bewohnerinnen bitten um Hilfe, weil Wohnen, Kinderbetreuung und Lebenserhaltungskosten für sie nicht mehr leistbar sind. Die Sorge, die Wohnung zu verlieren und nicht gut genug für ihre Kinder sorgen zu können, macht vielen Frauen sehr zu schaffen", sagt Lydia Rössler, Leiterin eines Mutter-Kind-Hauses Immanuel.
Täglich werden vor Ort Einzelschicksale sichtbar. Frauen, die nach Gewalt, Trennung oder Jobverlust plötzlich alleine mit ihren Kindern dastehen. Ohne Rückhalt, ohne finanzielles Polster. Viele wissen nicht, wo sie die nächste Nacht verbringen sollen.
Genau hier setzt die Hilfe der Caritas an. In Mutter-Kind-Häusern finden Betroffene ein Dach über dem Kopf – und vor allem eine neue Perspektive. "An uns wenden sich Mütter, die nicht wissen, wo sie die Nacht verbringen sollen. Wenn diese Frauen in eines unserer Mutter-Kind-Häuser einziehen, haben sie viel hinter sich: Wohnungsverlust, Gewalt, Armut", schildert Rössler.
Insgesamt stehen 21 Wohnplätze im Haus Immanuel zur Verfügung. Es ist eines von drei Mutter-Kind-Häusern der Caritas in Wien. Derzeit wohnen dort 20 Frauen und 36 Kinder. Durchschnittlich bleiben die Familien zwei Jahre; eine Beratungsstelle (Muki-Mobil) vor Ort dient zudem als Anlaufstellen für ehemalige Bewohnerinnen.
Der Bedarf ist groß. 2025 wurden in den drei Mutter-Kind-Häusern der Caritas in Wien 66 Mütter und 107 Kinder aufgenommen und begleitet. "Wenn ein Platz frei gemeldet wird, bekommen wird meistens am gleichen Tag eine neue Zuweisung", berichtet Rössler.
Caritasdirektor Klaus Schwertner betont: "Hunderttausende Frauen – besonders Mütter – kämpfen mit Einkommen, die nicht ausreichen, um sich und ihre Kinder gut zu versorgen. Gleichzeitig werden Familienleistungen gekürzt und dringend benötigte Valorisierungen ausgesetzt. Bei allem Verständnis dafür, dass gespart werden muss: Diese Frauen und ihre Kinder brauchen dringend mehr Unterstützung."
Die Kabarettistin und Schauspielerin Caroline Athanasiadis macht sich ebenfalls stark für betroffene Frauen und fordert ein Umdenken in der Gesellschaft: "Muttertag heißt für mich vor allem – hinschauen. Darauf, unter welchen Bedingungen viele Frauen Mutter sind. Wir können Probleme nicht 'wegignorieren'".
Die Caritas fordert Maßnahmen: flächendeckende leistbare Kinderbetreuung, die Anrechnung geleisteter Care-Arbeit, ein automatisches Pensionssplitting und "eine armutsfeste Sozialhilfe". "Alleinerziehende und ihre Kinder tragen das höchste Armutsrisiko in unserer Gesellschaft", so Schwertner. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich die Lage weiter verschärfen.
Der Appell zum Muttertag ist eindringlich: Nicht wegsehen, sondern handeln. Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder können online über den wirhelfen.shop mit einem vollen Einkaufskorb, einem Windel-Abo oder einen Neuanfang im Mutter-Kind-Haus unterstützt werden. Die Caritas sammelt auch Sachspenden für armutsbetroffene Frauen und ihre Kinder, alle Informationen dazu unter fuereinand.at/muttertagssammlung.