"Wer sich auf christlich-soziale Werte beruft, darf den Sonntag als geschützten gemeinsamen Ruhetag nicht zur Diskussion stellen", feuert die Allianz nun eine Breitseite gegen die ÖVP. Der Eurovision Song Contest in Wien von 11. bis 17. Mai sorgt also schon jetzt für Diskussionen – allerdings eben nicht nur musikalisch. Konkret geht es um mögliche Sonntagsöffnungen im Handel. Die Wiener ÖVP würde das als "Chance" sehen – "Heute" berichtete. Dagegen formiert sich nun klarer Widerstand.
Die Wiener Allianz für den freien Sonntag spricht sich deutlich gegen eine Lockerung aus. Für sie ist klar: Der arbeitsfreie Sonntag darf nicht für ein Großevent geopfert werden. Auch politisch ortet man Widersprüche.
Sonn- und Feiertage seien mehr als nur freie Tage. Sie hätten eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Familienzeit, Erholung und kulturelles Leben stünden im Vordergrund. Gerade Besucher des ESC würden Wien nicht wegen offener Geschäfte schätzen.
"Wien hat weit mehr zu bieten als Shopping an Sonn- und Feiertagen. Unsere Stadt lebt von ihrer Kultur, ihrer Gastfreundschaft und ihrer Lebensqualität. Der ESC sollte Anlass sein, genau das zu präsentieren und nicht den arbeitsfreien Sonntag weiter auszuhöhlen. Auch die Kirchen in Wien laden mit ihren offenen Türen auf eine Pause ein", betont die kirchliche Sprecherin der Wiener Allianz für den freien Sonntag, Antonia Indrak-Rabl.
Auch aus Sicht der Arbeitnehmer wird gewarnt. Eine Öffnung würde vor allem Beschäftigte im Handel treffen.
"Besonders betroffen wären erneut die Handelsangestellten, die ohnehin unter hohem Arbeitsdruck stehen. Auch sie sollen die Möglichkeit haben, den ESC mitzuerleben, Zeit mit ihren Familien zu verbringen oder einfach einen dringend notwendigen Ruhetag zu genießen. Der freie Sonntag ist für uns nicht verhandelbar. Er ist ein wichtiger Anker für die Gesundheit der Beschäftigten", so der Gewerkschaftssprecher Christian Lindmeier.
Die Allianz fordert daher ein klares Bekenntnis der Politik zum Schutz des Sonntags. Großveranstaltungen dürften nicht als Türöffner für eine schrittweise Abschaffung dienen.
"Tourismuszonen sind in ganz Österreich - und darüber hinaus - längst etabliert und bieten einen klar geregelten Rahmen für eine freiwillige Sonntagsöffnung. Wien ist das einzige Bundesland Österreichs, in dem solche Zonen fehlen", heißt es dazu von der Wiener ÖVP gegenüber "Heute".
Und weiter: "Es geht um Wahlfreiheit für Betriebe und Beschäftigte – und zugleich um zusätzliche wirtschaftliche Impulse. Der Schutz des Sonntags und wirtschaftliche Belebung sind kein Widerspruch, sondern lassen sich sinnvoll miteinander verbinden."